Kapitäne ohne klaren Kurs

von Redaktion

Löwen stellen Crew für 2026/27 neu zusammen – mit Verlaat und Jacobsen?

Sagt der Käptn 1860 Lebwohl? Jesper Verlaat. © IMAGO

München – Der Kapitän geht zuletzt von Bord – so will es die alte Seefahrerregel. Und beim TSV 1860? Das Projekt Aufstieg ist in Giesing auf Grund gelaufen, die Crew wird neu zusammengestellt. Mittendrin: die beiden Kapitäne. Beide seit Wochen ohne klaren Kurs.

16 Verträge liefen im Winter aus, seit zwei Wochen ist Bewegung drin: Torhüter Thomas Dähne (bis 2028) und Tunay Deniz (2027) haben verlängert, Clemens Lippmann wird den Verein verlassen. Bei Jesper Verlaat (29) und Thore Jacobsen (28) dagegen ist die Zukunft offen, verdächtig lange schon.

Gerade bei Fanliebling Verlaat sorgt das für Irritationen. Seit 2022 im Verein, 108 Drittligaeinsätze, meist mit Binde am Arm. Der Niederländer gilt als Säule in der Abwehr – wenn er fit ist. Das Problem: Er ist es schon länger nicht mehr. Erst die schwere Verletzung in der Hinrunde 24/25, dann der nächste Rückschlag zu Beginn dieser Saison. Seit dem 7. Spieltag fehlt Verlaat. Fast hat man vergessen, wo die Löwen damals standen: auf einem Aufstiegsplatz – bis zum verhängnisvollen Spiel in Rostock.

Verlaat hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er bleiben möchte. „Wenn ein Paar Schuhe gut passt, behält man es“, bläut ihm Mama Cassandra ein. Er selbst sagte im Sommer 2025: „Noch wähne ich mich in der Prime Time. Ich fühle mich bei 1860 wohl. In Holland tragen wir Clogs – meine gehen in Richtung Weiß-Blau.“

Die Frage liegt auf der Hand: Lässt man so einen Vorzeigelöwen einfach so ziehen? Meisterlöwe Fredi Heiß spricht sich für eine Verlängerung aus, Allesfahrer Roman Wöll sowieso: „Es gibt keinen Grund, warum nicht. Bloß weil er ein halbes Jahr verletzt war!“

Kumpels aus Bremer Zeiten – beide in Bayern heimisch geworden

Anders ist die Lage bei Thore Jacobsen. Der Mittelfeldmann, mit Verlaat seit gemeinsamen Bremer Jugendtagen verbunden, liefert. 35 Einsätze in der Vorsaison, 31 in der laufenden: Zahlen, die für sich sprechen. Jacobsen ist kein Lautsprecher, sondern ein Taktgeber. Zudem: gefeierter Distanzschütze (Platz fünf beim Tor des Jahres 2024) – und eiskalter Vollstrecker vom Kreidepunkt, speziell in dieser Saison: sieben von acht Elfmetern verwandelt, darunter ein frecher Panenka gegen Rostock.

Vor allem aber ist Jacobsen anpassungsfähig. Funktionierte neben Tunay Deniz – und nach dessen Kreuzbandriss ebenso neben Philipp Maier. Ein Spieler, der andere besser macht. Einer, dessen Wort Gewicht hat. Der nun aber wie Kumpel Verlaat in der Luft hängt. Als Nordlicht ist er längst in Bayern angekommen. Die Hausberge kennt der Alpinfreak besser als mancher Hiesige.

Wie also planen die Löwen mit ihren Kapitänen? Zwei Führungsspieler, zwei auslaufende Verträge – alle warten auf Klarheit. Verlaat sagte in unserem Interview vor der Saison: „Ich muss mich als Kapitän nicht aufspielen, sondern bleibe so wie ich bin.“ Die Frage ist nur: Darf er das auch weiterhin bei 1860?ULI KELLNER

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