Reiseroute ins Glück: Auf diesen drei Stationen wollen Manuel Neuer & Co. abräumen. © fcb
Berlin, Berlin! Die Münchner bejubelten den Einzug ins Pokalfinale. © Fassbender / AFP
München – Am Ende wurde Eminem zum Leitmotiv des Abends: Denn nach dem 2:0-Sieg des FC Bayern gegen Leverkusen schlüpften die Münchner schnell in die mitgebrachten Final-T-Shirts, auf denen stand: „Guess who’s back“ (deutsch: Ratet mal, wer zurück ist). Angelehnt war der Schriftzug an Eminems Song „Without Me“ (ohne mich) – was recht gut passte, denn auch die letzten fünf Pokalfinals fanden ohne den FC Bayern statt.
Entsprechend groß war die Freude am Mittwochabend, nun endlich wieder im langersehnten Endspiel zu stehen: „Ich habe Berlin vermisst. Es waren immer herausragende Spiele dort. Es ist ein historischer Tag für den ganzen Verein“, schwärmte Manuel Neuer nach Abpfiff, der beim letzten Endspiel 2020 noch dabei war. Josip Stanisic ergänzte: „Es ist geil, wieder im Finale zu stehen. Darauf arbeiten wir das ganze Jahr über hin.“
Und auch dem sonst eher zurückhaltenden Vincent Kompany war die Euphorie anzumerken: „Seit dem ersten Tag, an dem ich bei Bayern bin, wird über Berlin gesprochen. Das ist ein Riesen-Geschenk für den Verein, dass wir wieder dort sein dürfen.“
Man merkt den Münchnern an, dass der Hunger besonders groß ist. Harry Kane beispielsweise, der gegen Leverkusen als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde, hat bis auf den Supercup überhaupt noch keinen Pokalwettbewerb gewonnen. Etliche Stammspieler wie Michael Olise, Luis Diaz, Aleksandar Pavlović oder Jamal Musiala waren ebenfalls noch nie beim Endspiel in Berlin.
Nun geht es für den FC Bayern aber nicht um Finalteilnahmen, sondern um Titel. In diesem Jahr sollen es gleich drei werden, das Triple ist weiterhin das große Ziel. Dafür muss man im Berliner Finale siegen, in der Champions League wartet dann in den kommenden zwei Wochen Paris Saint-Germain.
Und die Franzosen mit ihrem Offensivtrio um Khvicha Kvaratskhelia, Ousmane Dembélé und Désiré Doué werden die Bayern sicher anders fordern als die passiven Leverkusener am Mittwoch. Zeitgleich mit dem Pokalhalbfinale gewann PSG gegen Nantes mit 3:0. Dabei glänzten jene Angreifer erneut mit Spielfreude und Traumtoren. Max Eberl erklärte daher: „Sie sind nicht umsonst Titelverteidiger. Das ist eine herausragende Mannschaft, die weiß, wie es geht, zu gewinnen. Das werden zwei Spiele, die ganz Fußballeuropa begeistern werden.“
Jonathan Tah ergänzte voller Vorfreude: „Wir kennen sie aus der Gruppenphase. Wir wissen, was sie machen: Ihr Spiel ist in Ansätzen ähnlich zu unserem Spiel: die Art, wie sie pressen, und die Intensität, die sie auf den Platz bringen. Da wird wieder alles gefordert sein.“
Doch auch in diese Duelle gehen die Münchner selbstbewusst, was angesichts der Galaform der vergangenen Wochen kaum verwunderlich ist: Der Rekordmeister hat nun 15 (!) seiner letzten 16 Spiele gewonnen, was in dieser Saison aber fast als Randnotiz untergeht.
Womit wir dann wieder bei Eminem wären: Dessen erste Strophe in besagtem Lied „Without Me“ lautet übersetzt auf Deutsch nämlich: „Ich erschuf ein Monster“ – manche Gegner werden in dieser Saison Ähnliches über Kompany gedacht haben.VINZENT TSCHIRPKE