Der Boss greift durch: Manfred Paula. © IMAGO / F. Kleer
München – Aufstieg verpasst, der TSV 1860 seit sechs Spielen sieglos – und jetzt rollen die Köpfe. Geschäftsführer Manfred Paula holte am Donnerstag zu einem personellen Kahlschlag aus, der es in sich hat. Sechs Routiniers, sechs Abschiede – und mittendrin ein Name, der aus dem Sextett der Geschassten herausragt: Vorzeigelöwe Jesper Verlaat.
Neben Kapitän Verlaat trifft es auch Vizekapitän Thore Jacobsen, Raphael Schifferl sowie die Offensivspieler David Philipp, Morris Schröter und Maximilian Wolfram. Nach Informationen unserer Zeitung bestellte Paula einen Profi nach dem anderen ein – um sechsmal die gleiche Botschaft zu verkünden: Du bist raus! Den radikalen Schnitt begründet er mit einer schonungslosen Analyse: Man sei „zu der Erkenntnis gekommen, dass wir bestimmte Dinge verändern müssen, um erfolgreich zu sein“. Selbst die wenigen Siege zuletzt hätten nicht überzeugt: „Da müssen wir besser werden.“
Klare Worte – doch nicht alles wirkt stimmig. Warum Verlaat, Schröter und Wolfram für Misserfolge haftbar gemacht werden, ist schwer nachvollziehbar: Alle drei waren über weite Strecken der Saison verletzt und konnten kaum Einfluss nehmen. Das Trio Jacobsen, Schifferl und Philipp gehörte dagegen zum Stamm. Für sie muss das kühl verkündete Aus wie eine Abrechnung wirken.
Am heikelsten bleibt die Personalie Verlaat. Den Kapitän in einem Atemzug mit fünf weiteren Spielern auszusortieren, hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Vier Jahre lang ging der Niederländer bei 1860 voran – als Abwehrchef, Führungsspieler, Identifikationsfigur. Ihn nun ohne erkennbare Differenzierung abzusägen, ist schlechter Stil.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen liefert Paula die strategische Begründung nach: mehr Tempo nach vorne, mehr körperliche Verlässlichkeit. Ein Spieler könne nicht helfen, wenn er „über große Strecken der Saison nicht trainings- und spielfähig ist“. Eine nüchterne Analyse – aber keine besonders faire, wenn man bedenkt, dass sich Verlaat beim Topspiel in Rostock verletzt hat – als die Löwen noch Zweiter waren.
Im zweiten Teil der Mitteilung schlägt Paula freundlichere Töne an. Er zeigt sich zuversichtlich, Torjäger Sigurd Haugen halten zu können, verweist auf laufende Verträge mit Kevin Volland, Siemen Voet, Patrick Hobsch, Sean Dulic oder Lasse Faßmann – sowie auf hoffnungsvolle Zukunftsgespräche. Zudem arbeite der Verein an Neuzugängen, der Kader solle möglichst zum Trainingsstart Ende Juni stehen.
Doch der Eindruck bleibt: Dieser Kahlschlag ist mehr als ein personeller Umbruch. Die Botschaft: Schluss mit der Wohlfühloase! Paula sollte aber auch wissen: Wer so konsequent aufräumt, darf sich keine Fehleinschätzung leisten.
Gerade mit Blick auf das Finale im Totopokal erwartet Paula „Intensität im Training, Emotionalität – und dass der Spannungsbogen hochgehalten wird“. Schon der Kader für Ulm am Samstag dürfte davon zeugen. Ob Jacobsen noch einmal als Kapitän aufläuft? Äußerst fraglich! Was Berater Danny Bachmann zu unserer Zeitung sagt, lässt auf eine schwere Kommunikationskrise schließen: Natürlich sei für Thore ein Verbleib denkbar gewesen, „darüber sprechen wollte mit uns jedoch niemand – der Verantwortliche war für mich leider nicht zu erreichen.“ULI KELLNER MARCO BLANCO UCLES