Xenia Smits, Vize-Weltmeisterin und werdende Mutter. © Gambarini/dpa
München – Xenia Smits hatte ihren Wechsel aus Metz (Frankreich) nach Odense (Dänemark) bereits verkündete. Doch dann kam der Handball-Vizeweltmeisterin „etwas dazwischen“. Etwas sehr Schönes. Die 31-Jährige ist schwanger. Wie der Verein reagiert hat und ob die Karriere dadurch beendet ist, darüber haben wir mit Smits gesprochen.
Frau Smits, als Sie Ihren Wechsel bekannt gegeben haben: Wussten Sie da schon von der Schwangerschaft?
Tatsächlich nicht. Aber für mich gab es ab diesem Moment plötzlich eine andere Priorität im Leben. Ich habe Odense Bescheid gegeben und gesagt: „Wenn dieser Vertrag nicht mehr gültig sein soll, dann heben wir ihn auf.“ Aber die Reaktionen von beiden Clubs waren total positiv. Odense hat die Neuigkeiten begrüßt. Das hat mich ein bisschen überrascht, hilft aber enorm.
Wie ist die rechtliche Situation?
Theoretisch ist eine Schwangerschaft in Dänemark kein Grund, um einen Vertrag für ungültig zu erklären. In Rumänien oder Ungarn sieht es deutlich anders aus. Ich weiß auch von Kolleginnen, bei denen die Reaktion deutlich negativer ausgefallen ist. Es ist schade, dass es immer noch Vereine und Länder gibt, die nicht akzeptieren wollen, dass eine Schwangerschaft ab einem gewissen Alter zum Frauensport dazugehört.
Wollten Sie immer schon noch während der Karriere Kinder bekommen?
Exakt planen kann man das nur bedingt. Aber ich habe es zumindest nicht ausgeschlossen. Für die Zukunft will ich beides: mein Familienglück und weitere Medaillen mit der Nationalmannschaft.
Sie sind dieser Medaille (WM-Silber, d. Red.) mit dem DHB-Team über zehn Jahre hinterhergelaufen. Aber der Hunger ist noch nicht gestillt?
Wenn das WM-Finale mein letztes Länderspiel gewesen sein sollte, weil ich nicht mehr auf mein Level komme, dann wäre das vollkommen okay. Aber mein absolutes Ziel ist, diesen Kampf anzugehen und beim Comeback mindestens das gleiche Niveau zu haben wie vor der Schwangerschaft. Außerdem: Wir wissen jetzt, was es braucht. Jetzt wollen wir das Puzzle komplett machen und Gold bei einem Turnier holen.
Vor einem Jahr hat Ihr damaliger Verein und amtierender Meister Ludwigsburg Insolvenz angemeldet. Der Verband investierte zuletzt viel in den Frauenhandball. Wann trägt das auch in der Liga Früchte?
Die Liga versucht sich zu professionalisieren. Aber das kostet aktuell auch alles viel Geld für die Vereine. Ich hoffe, dass die Rechnung der Liga aufgeht und sich das Invest auszahlt. Ich fürchte, dass das für einige Clubs extrem schwer wird.
Warum?
Solange wir in Frauensportarten kämpfen müssen, eine Schulsporthalle zu guten Trainingszeiten zu bekommen, ist und bleibt es schwierig. Da sind uns, zumindest im Moment noch, gewisse Grenzen im Vereinshandball gesetzt.
INTERVIEW: MATHIAS MÜLLER