Fanliebling, Giesinger Institution, Identifikationsfigur – auch abseits des Platzes kein 08/15-Fußballer. Der Aufschrei war groß, als die Löwen ihn ziehen ließen. Gemeint: Marco Hiller.
Ein Jahr später eine ähnliche Diskussion. Diesmal geht es um Jesper Verlaat. Kapitän. Abwehrchef. Publikumsliebling. Keine Einigung auf einen neuen Vertrag – wenn ihm überhaupt einer angeboten wurde. Die Frage, die seit Donnerstag im Raum steht: Hat Manfred Paula bei seinem personellen Schnitt den emotionalen Kompass verloren?
Sechs Profis müssen gehen. 1860 will sich neu aufstellen, schneller, offensiver, direkter spielen. Ein Schnitt gehört zum Geschäft, wenn Ziele verfehlt werden. Und es gibt Argumente für einzelne Entscheidungen. Bei Ergänzungsspielern wie Schröter, Wolfram oder Philipp sind sie nachvollziehbar. Bei Thore Jacobsen und Raphael Schifferl wird es erklärungsbedürftig, beim Kapitän grundsätzlich.
Verlaat war in vier Jahren bei 1860 kein Profi von der Stange, sondern ein Gesicht dieses Vereins. Natürlich gibt es Argumente. Er wird 30, ist seit Monaten verletzt, wurde ordentlich vertreten. Auch wirtschaftliche Zwänge spielen eine Rolle, der Etat schrumpft. Das alles lässt sich begründen. Was sich schwerer erklären lässt, ist die Kommunikation.
Paula begründet das Aus von Lippmann mit fehlender Identifikation – und trennt sich von einem Kapitän, der genau dafür steht. Er verweist auf körperliche Verfügbarkeit als Kriterium – und verlängert mit Kreuzbandpatient Tunay Deniz. Das passt nicht. Punkt.
Der Eindruck: Hier wird ein harter Schnitt sportlich begründet, obwohl er vor allem finanziell getrieben ist. Genau das aber hätten die Fans verstanden. Was sie weniger akzeptieren: wenn dabei ohne Not Porzellan zerbricht.
Denn Verlaat ist nicht irgendein Profi. Er ist einer, der 1860 auch nach der Karriere repräsentieren könnte. Dazu kommt: Mit Verlaat, Jacobsen und Schifferl geht Qualität. Die muss erst mal ersetzt werden. Vor allem aber hat Paula die Erwartungen hochgeschraubt. Tempo, Offensive, neuer Fußball – das klingt gut. Nur: Es muss auch funktionieren.
Tut es das nicht, wird es eine neue Diskussion geben. Dann geht es nicht mehr um die, die gegangen sind. Sondern um den, der sie gehen ließ.