Maximal-Push für Paris

von Redaktion

Bayern dreht in Mainz 0:3-Rückstand: „Diese Mannschaft ist besonders“

Das vierte Tor obendrauf: Harry Kane (re.) traf in der 83. Minute zum 4:3, Olise und Goretzka jubeln mit. © Wittek/EPA

Mainz – Selbst in den Katakomben der MEWA Arena hörte man die Fans des FC Bayern noch singen, in Dauerschleife. „Wir holen die Meisterschaft und den Europacup und den Pokal, den holen wir noch einmal!“ – diese Zeile kann man dieser Tage beim deutschen Rekordmeister nicht oft genug hören. Es gab nur einen Mann, der noch lauter war. Jonas Urbig betrat den Kabinengang mit dem Freudenschrei „YEAH BOYS“ („Ja, Jungs!“) – und mehr musste man nach dieser Partie, in der der Meister ein 0:3 in Mainz in ein 4:3 gedreht hatte, auch gar nicht sagen.

Pure „Freude“ habe er in diesem Moment verspürt, gab der Bayern-Keeper später zu Protokoll; pure Freude war auch der Gemütszustand, in dem der Bayern-Tross Mainz am Samstagabend verließ; und die pure Freude wird in pure Vorfreude umschlagen, wenn sich das Team von Vincent Kompany am Montagnachmittag auf den Weg nach Paris macht (ohne Raphael Guerreiro, der mit einem Muskelfaserriss ausfällt). „Wenn man den Spielplan schreiben könnte, ist es so am schönsten“, sagte der sichtlich euphorisierte Christoph Freund nach der fulminanten Aufholjagd. Die „Energie“, von der die Bayern im Kollektiv sprachen, war förmlich zu spüren, genau wie der Teamspirit, der die Kompany-Elf durch diese Saison zu tragen scheint. Von einem echten „Push“ sprach der Sportdirektor und fügte an: „Die Mannschaft ist ganz was Besonderes. Wenn man nicht zusammensteht, würde man solche Spiele nicht drehen.“

Man hat die Bayern in dieser Saison oft entfesselt erlebt – man musste bereits achtmal einen Rückstand drehen. Aber die Bilder aus Mainz waren zur genau richtigen Zeit dennoch speziell. Weil mit einer besseren B-Elf in der ersten Halbzeit laut Kompany „alles“ falsch gelaufen war, musste man mit Star-Power von der Bank und einem Kollektiv-Ruck das kleine „Wunder“ möglich machen. Drei Treffern von Dominik Kohr (15.), Paul Nebel (29.) und Sheraldo Becker (45.+2) stellten die Bayern vier durch Nicolas Jackson (53.), Michael Olise (73.), Jamal Musiala (81.) und Harry Kane (83.) entgegen. Am Spielfeldrand galt das Motto „Völlig losgelöst“ – Urbig konnte von hinten sehen, was auch in Europa längst angekommen ist: „Was für eine Mentalität in dieser Mannschaft steckt.“ Auf Rekordjagd – sowohl die historisch beste Saison (91 Punkte) als auch der ewige Torrekord von Juventus Turin (125 Tore) sind noch drin – kann die Bayern derzeit niemand stoppen. Und Paris soll am Dienstag (21 Uhr) im Halbfinal-Hinspiel der Champions League auch nicht damit anfangen.

„Wir brauchen dieses Gefühl und die Mentalität für die kommenden Wochen, wenn wir noch mehr gewinnen wollen“, sagte Musiala als „Man of the Match“; Harry Kane gab zu, dass eine Niederlage in diesem „Zwischenspiel“ zwischen dem Einzug ins Pokal-Finale und dem Paris-Kracher schon ein „Downer“ gewesen wäre. Zur Halbzeit wäre sie mit Blick auf schläfrige, wenig aggressive und unterlegene Bayern verdient gewesen. So aber bleibt der Meister, bei dem Joshua Kimmich und Dayot Upamecano aus Gründen der Belastungssteuerung gar nicht erst dabei waren, im Siegesrausch. Zuletzt verloren hat man Ende Februar gegen Augsburg.

Besser vorbereitet kann man nicht in die wichtigsten Wochen des Jahres gehen. So offensiv wie die Fans sprachen die Protagonisten die großen Träume aber nicht aus. Aber Kompany hinterlegte immerhin, dass „die Basis für Wunder“ gelegt sei. Freund versicherte: „Wir glauben an uns!“ Und irgendwie jeder glaubt an diese Bayern.HANNA RAIF

Artikel 1 von 11