ZUM TAGE

Sieben Monate für diesen Moment

von Redaktion

Die Bayern vor Paris

Für Jan-Christian Dreesen war der Samstag ein stressiger – aber auch ein schöner. Euphorisiert von der Aufholjagd der Herren in Mainz ging es für den CEO des FC Bayern schwuppdiwupp in den Flieger, um dann fast pünktlich zum Anpfiff der Frauen-Mannschaft gegen den FC Barcelona in der Allianz Arena zu sitzen. Auch das 1:1 gegen den FC Barcelona war freilich ganz nach seinem Geschmack. Und die gute wie schlechte Nachricht zugleich: Der Reisestress wird weitergehen. Paris und Berlin (Pokalfinale) stehen mit dem Team von Vincent Kompany sowieso im Kalender, Köln (Pokalfinale) ist mit den Frauen schon gebucht. Und mal ehrlich: Es würde niemanden mehr überraschen, kämen auch noch Oslo und Budapest – die Finalorte der Champions League – hinzu.

Träumen muss erlaubt sein, vor allem für einen Club, der Ende April dort steht, wo sich der FC Bayern aktuell befindet. Denn es mag zwar nach Floskeln klingen, aber es ist schon etwas Wahres dran, wenn Protagonisten Jahr für Jahr in den ersten sieben Monaten der Saison darauf hinweisen, dass alles, was war, nicht zählt, wenn endlich Frühjahr ist. Kann sich irgendjemand noch an das 6:0 gegen Leipzig zum Start erinnern, das 1:3 beim FC Arsenal? An die Waden von Manuel Neuer, die Muskelfasern von Alphonso Davies oder gar die Debatte darüber, ob Luis Diaz zu viel verballert? All das ist schon da gewesen in dieser Spielzeit. Weil man aber – anders als unter manch anderem Trainer – stets bei sich geblieben ist, kann sie dennoch eine historische werden.

Was dafür passieren muss, ist klar. Die Frauen brauchen noch drei, die Herren noch vier echte Sahnetage. Aber dass es auf diesem Niveau nicht reicht, auf einer Euphoriewelle weiterzuschwimmen, sollte auch jedem bewusst sein. Wer in Paris ähnlich schläfrig agiert wie in den ersten 45 Minuten in Mainz, wird höher bestraft werden. Und wer meint, dass jede Einwechslung die Wende bringen kann, dürfte gegen Europas aktuelle Könige im Prinzenpark wohl auch eines Besseren belehrt werden.

Man spricht nun von der „perfekten Generalprobe“, da ist was dran. Aber so ein souveränes 3:0, wie es PSG beim SCO Angers gelungen ist, kann genauso gut sein. Da wären wir wieder beim Vorgeplänkel. Was zählt, ist Dienstag, 21 Uhr. Jeder Zweikampf, jeder Ball, jedes Mini-Detail. Dreesen wird da sein, so viel ist sicher.

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