Viele Tränen, etliche Fragezeichen

von Redaktion

Mehr Abschieds- als Aufbruchstimmung beim EHC – Abeltshausers Favorit: Frankfurt

Schwerste Stunde: Konrad Abeltshauser nimmt nach zehn Jahren Abschied von seinem EHC. © Red Bull/City-Press

München – Konrad Abeltshauser, der scheidende Verteidiger des EHC Red Bull München, erzählt, wie der Club in Person von Sportchef Christian Winkler und er in das finale Gespräch gegangen sind, von dem schon zu ahnen war, dass die beidseitig gefassten Entschlüsse nicht mehr abzuwenden sein würden: „Das Allererste war, dass wir gesagt haben: ,Was jetzt passiert, ist Business. Nichts wird persönlich genommen, es ändert an unserer Verbindung nichts.‘“ Der Status nach dem Gespräch, dass die Trennung nach zehn Jahren offiziell machte: „Wir können uns in die Augen schauen.“ Doch die Augen des Spielers sind wässrig, auch Tage danach noch, die Stimme erstickt immer wieder in Tränen.

Kurz hat „Koni“ Abeltshauser sogar überlegt, ob er nicht krank machen soll an diesem Samstag, der mit einem Event im SAP Garden die Saison und für ihn die Zeit in München als beendet markierte – aber natürlich hat er sich gegen ein Davonschleichen durch die Hintertür entschieden, ist noch einmal vor die Fans getreten auf einer Bühne, nahm als Abschiedsgeschenk seinen in eine Vitrine gefassten letzten Helm entgegen. Der 33-Jährige sagte: „Für mich waren die zehn Jahre so schön, nichts kann die Erinnerung daran besudeln.“ Er erinnert sich, wie er „als Jungspund mit kanadischer Freundin“ nach seinen Versuchen, in Nordamerika Eishockeyprofi zu werden, nach München kam – „raus gehe ich als verheirateter Mann mit zwei Kindern und vier Meisterschaften“. Ihm wurde der Club zur Familie. „Hätte ich mein Drehbuch schreiben können, hätte es anders ausgesehen.“

Doch am Drehbuch schrieb auch der Verein mit. Die Interessen waren nicht mehr deckungsgleich. Laut Christian Winkler habe man im Februar Abeltshauser einen neuen Vertrag angeboten – und da gelangte die emotionale Verbindung zwischen beiden Seiten eben an die Business-Seite. Der EHC stellte sich eine überschaubarere Laufzeit vor als der Abwehrspieler. „Ich liebe das Spiel abgrundtief und spiele so lange, bis mich einer mit dem Rollstuhl rausfährt. Ans Aufhören ist kein Denken, das war ein großer Faktor“, so Abeltshauser über seine Entscheidung. Er will im hochklassigen Eishockey bleiben, in der DEL, Heimatclub Tölz in der Oberliga käme noch zu früh. „Die Zeitschiene verschiebt sich.“ In den kommenden Tagen wird er den „Standort besuchen, der heißer Favorit ist“. Es werden die Löwen Frankfurt sein.

Die Fans sind für ihn noch einmal aufgestanden, haben ihn gefeiert. Andere gehen leiser, wie Dillon Heatherington, der mit dem Ende seiner Karriere rechnet („Kann sein, dass das mein letztes Spiel war“), die jungen Spieler Simon Wolf, Vadim Schreiner (Schwenningen) und Nikolaus Heigl (Nürnberg), der kess von „den alten Leuten“ in der Münchner Kabine sprach. Als Zugänge wurden wie erwartet die Mittzwanziger Elis Hede (Straubing) und Lucas Thaler (Salzburg) verkündet, doch der sich abzeichnende Kader macht noch nicht den Eindruck, als sei er für einen neuen Meisterschaftsanlauf gebaut. Acht Import-Lizenzen sind schon weg, die Abwehr ist (noch) unterbesetzt. Für die Offensive ist im Angebot der Eishockey-Agenten Brooks Macek, Deutschkanadier und Münchner von 2016 bis 18, die letzten sieben Jahre in der russischen KHL – doch da haben sich auch andere DEL-Großclubs positioniert. Die nun abgelaufene Saison nennt Kapitän Patrick Hager „einen Schritt in die richtige Richtung“ – doch ob der nächste folgt?GÜNTER KLEIN

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