Wende nach der Wutrede

von Redaktion

Kompany zeigt in Mainz sein gesamtes Repertoire als Coach – jetzt übernimmt Danks

Mainz – Es ist ja nicht so, als würde Vincent Kompany nicht aus allen Richtungen mit berechtigtem Lob überschüttet werden. Aber das eine, das am Samstagnachmittag von der Tribüne der MEWA Arena auf den Rasen schallte, war doch besonders laut. „Du bist eine geile Sau“, schrie ein Fan des FC Bayern nach dem fulminanten 4:3 (0:3) des FC Bayern in Richtung des Autogramme schreibenden Trainers – und auch wenn es nicht die feinste Wortwahl war, es stimmt ja. Diesem gerade mal 40 Jahre jungen Mann scheint aktuell alles zu gelingen, was er mit dem deutschen Rekordmeister anpackt. Wie genau, hat er rund um dieses verrückte Spiel – und drei Tage vor dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League in Paris, das er von der Tribüne aus verfolgen muss – von A bis Z gezeigt.

Nicht alles, was in der Halbzeit beim Stand von 0:3 in der Kabine besprochen worden war, drang nach außen. Aber die Worte derjenigen, die hinter der verschlossenen Tür gesessen hatten, ließen doch tief blicken. Sie reichten von „klar angesprochen“ (Christoph Freund) über „der Trainer war sauer, zu Recht“ (Jonas Urbig) bis zu „wir haben eine ordentliche Ansage bekommen“ (Interims-Kapitän Leon Goretzka), Siegtorschütze Harry Kane fügte lachend an: „Das waren starke Worte, die ich nicht verraten werde.“ Wenig um Taktik, aber viel um Mentalität ist es gegangen in den 15 Minuten, die Kompany nutzte, um die Bayern von einem müden Meister zu einem fulminanten werden zu lassen. Kern der Rede laut Freund: „Dass wir so nicht auftreten können, in die Zweikämpfe gehen sollen und uns präsentieren sollen wie Bayern München.“ Das gelang!

Gerade mal 30 Minuten brauchten die Bayern zwischen der 53. und 83. Minute, um das erste Mal seit 1976 (!) einen Drei-Tore-Rückstand in einen Sieg zu drehen. Das gelang zum einen, weil Kompany seine Stargarde um die Torschützen Kane, Michael Olise und Jamal Musiala aufbot, es gelang aber auch, weil „die, die gestartet sind, viel besser wurden“, stellte Jonas Urbig treffend fest. In der zweiten Halbzeit habe man alles „gerade gebogen“, weil Kompany mal wieder die richtigen Knöpfe gedrückt hat. Bereits zum achten Mal gingen die Bayern in der laufenden Saison trotz früher Gegentreffer als Gewinner vom Platz. Der Jubel von Kompany an der Seitenlinie sprach Bände.

Als die Spieler sich in der Kurve feiern ließen, fand sich der Chefcoach mit seinem Trainerteam zusammen. Man lachte, umarmte sich, genoss den Moment auf dem Rasen – wohl wissend, dass es am Dienstag beim Halbfinal-Kracher in der Champions League in Paris anders sein wird. „Wir werden ihn vermissen. Er ist ein Leader, ein Boss“, sagte Kane über den Belgier, der das Hinspiel von der Tribüne aus verfolgen muss. Die Regeln sind klar: Beim Betreten der „Controlled Area“ muss Kompany sich von seinem Team trennen und sich auf den Weg zu seinem Tribünenplatz in einer Loge machen. Während der Partie ist kein Kontakt erlaubt, weder per Telefon noch per Headset. Erst zehn bis 15 Minuten nach Spielende kann Kompany auch in die Kabine kommen.

Noch gibt Kompany sich cool, aber es werden harte 90 Minuten werden. „Er ist ein Typ, der natürlich gerne dabei ist. Manchmal denke ich, dass er am liebsten mit auf dem Feld wäre“, sagte Kane lachend. Die Rolle an der Seitenlinie wird Co-Trainer Aaron Danks übernehmen, der auch in Mainz präsenter war als sonst. Nur: Als der Engländer die Arena um 18 Uhr in Richtung Bus verließ, schrie niemand.HANNA RAIF

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