Gemischte Gefühle: FCB-Direktorin Bianca Rech kritisiert die harte Regelauslegung.
Noch mal Rot: Auch Trainer Barcala musste vorzeitig seinen Platz räumen. © dpa, Imago
Harte Linie: Schiedsrichterin Ivana Martincic hielt sich strikt an die Regeln und schickte die entsetzte Bayern-„Sünderin“ vorzeitig zum Duschen. © Sven Hoppe / dpa
Muss man dafür Rot geben? Kett griff im Kampf um den Ball in den langen Zopf von Salma Paralluelo. © IMAGO / Davide Elias
München – Franziska Kett suchte den Körperkontakt zu Salma Paralluelo, griff kurz in den langen Zopf der Angreiferin des FC Barcelona. Der zunächst harmlose Zweikampf an der Außenlinie in der 79. Spielminute hatte fatale Folgen: Schiedsrichterin Ivana Martincic zeigte der bis dahin starken Nationalspielerin die Rote Karte. Trainer José Barcala beschwerte sich lautstark – und wurde ebenfalls des Feldes verwiesen. „Ich habe nur geschrien“, kommentierte der Spanier: „Ich verstehe, wenn man mir dafür Gelb gibt, aber niemals Rot. Das ist total unfair.“ Auch Kett nahm er in Schutz. Sie habe „niemals die Intention“ gehabt „an den Haaren zu ziehen“.
Die Szene im Halbfinal-Hinspiel der Bayern-Frauen in der Champions League gegen das spanische Über-Team (1:1) erinnerte stark an den Platzverweis der DFB-Verteidigerin Kathrin Hendrich bei der EM 2025. Auch sie hatte im Viertelfinale gegen Frankreich ihre Gegenspielerin am Zopf gehalten hatte. Schon damals wurde diskutiert, nun forderte Bianca Rech, die Regelauslegung zu überdenken. „Wenn eine Spielerin Haare bis zum Gesäß hat, Franzi aus einer natürlichen Bewegung heraus nach dem Trikot greifen will und dann eben irgendwie in die Haare kommt, dann muss man darüber diskutieren, ob es eine Rote Karte ist“, ärgerte sich die Direktorin der Bayern-Frauen.
Auch an Schiedsrichterin Martincic ließ sie kein gutes Haar. Sie habe völlig die Kontrolle verloren. „Ich weiß nicht, wie viele Karten es am Ende waren, die sie da verteilt hat, wie Smarties. Das ist aus meiner Sicht nicht korrekt.“
Die beiden Platzverweise überschatteten einen ansonsten sehr gelungenen Samstagabend für die Bayern-Frauen. 31.000 Fans verfolgten die Partie in der Allianz Arena, ein neuer Rekord für ein Champions-League-Spiel der Münchnerinnen. Die Mannschaft stellte dabei unter Beweis, welche Entwicklung sie seit der bitteren 1:7-Niederlage in Barcelona zum Auftakt der Königinnenklasse im Oktober genommen hat.
Barcelona tat sich schwer, den üblichen Offensivwirbel zu entfachen, Ewa Pajor (8.) brachte die Katalaninnen nach einem Stellungsfehler von Giulia Gwinn dennoch früh in Führung. Diesmal verloren die Bayern-Frauen nicht die Ordnung, sondern verteidigten konsequent weiter und setzten auf Umschaltsituationen. Einen dieser Angriffe nutzte Kett (69.) nach starker Vorarbeit von Pernille Harder zum umjubelten 1:1-Endstand. „Die Mannschaft war taktisch unglaublich gut eingestellt. Wir sind sehr happy, absoluten Respekt vor der Leistung“, lobte Rech.
Der Traum vom ersten Finaleinzug der Vereinsgeschichte lebt, allerdings wird das Rückspiel am Sonntag (16.30 Uhr) eine noch höhere Hürde. Im Camp Nou wird mit 60 000 Fans gerechnet, die in der aktuellen Form beinahe unverzichtbare Kett muss ersetzt werden. Außerdem steht am Mittwoch das Bundesliga-Nachholspiel bei Werder Bremen (18 Uhr) an. Die Ansetzung ist unglücklich, die lange Reise in den Norden ist der Vorbereitung sicher nicht zuträglich.
Die Bayern-Frauen lassen sich davon nicht beeindrucken. „Wir haben gemerkt: Sie sind nicht unschlagbar, es ist etwas möglich“, sagte Giulia Gwinn selbstbewusst.CHRISTIAN STÜWE