Lange haben Manni Schwabl und die SpVgg Unterhaching gegrübelt. Nun ist der Entschluss gefallen. © Leifer/Imago
Unterhaching – Es war ein Moment der kollektiven Erlösung. Alexander Winkler zog in der achten Minute der Nachspielzeit aus über 20 Metern ab und traf zum 3:2-Sieg gegen die SpVgg Bayreuth. Winkler ließ sich oberkörperfrei vor den mitgereisten Fans feiern, das gesamte Team inklusive Cheftrainer Sven Bender stürmte auf das Feld zum Jubeln. „Einfach ein geiles Gefühl“, sagte Bender.
War das dieser eine besondere Moment auf dem Weg Richtung 3. Liga? Ein Distanzkracher von Winkler und anschließend der Aufstieg, da dürfte bei vielen Haching-Fans etwas klingeln. Die Spielvereinigung liegt in der aktuellen Saison weiter einen Punkt vor dem Kontrahenten aus Würzburg, zum direkten Duell kommt es am 9. Mai (14 Uhr). Da Nürnberg II nicht hoch möchte, wäre Haching aktuell für die Aufstiegsspiele gegen den Vertreter der Regionalliga Nordost (derzeit Lokomotive Leipzig) qualifiziert. Doch dazu wird es wohl nicht kommen.
Auch die Vorstädter werden vorerst auf einen möglichen Aufstieg verzichten. Das hat sich in den letzten Wochen schon angedeutet, nun haben sich die Anzeichen verdichtet. Kein Hauruck-Entschluss, sondern Ergebnis einer ehrlichen Analyse. Eine finale Bestätigung und Stellungnahme des Vereins lag bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor.
Unterhaching möchte noch mehr auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs setzen und diese entwickeln. Talente wie der 17-jährige Wesley Krattenmacher sollen auf dem Rasen stehen und schon früh Verantwortung übernehmen. Und natürlich auch das Kaufinteresse von höherklassigen Clubs auf sich ziehen. Transfererlöse bleiben überlebenswichtig, die Liste von prominenten Abgängen wie Karim Adeyemi, Nico Mantl oder Maurice Krattenmacher darf sich gerne weiter füllen. Lieber eine gute Rolle in der Regionalliga spielen, als mit externen Neuzugängen, die sich möglicherweise nicht mit der Haching-DNA identifizieren, in der 3. Liga gegen den Abstieg kämpfen.
Kein wirtschaftliches Harakiri, sondern der bodenständige Aufbau eines stabilen Fundaments. Dafür wird weiter der Beton angemischt. Den Weg gehen nicht nur Vereinsumfeld, sondern auch Fans und Sponsoren mit. Das ist Präsident Manni Schwabl wichtig. Haching ist keine One-Man-Show, die SpVgg zieht an einem Strang, steht hinter einer Idee.
Soll natürlich nicht bedeuten, dass der sportliche Ehrgeiz in der Vorstadt abhandengekommen ist. Die Rückkehr in die 3. Liga wird für die Saison 2027/28 anvisiert, in der Spielzeit steigt der Meister der Regionalliga Bayern (ohne lästige Zusatzspiele) direkt auf.
Bis dahin hat der Talentepool Zeit, sich für den Herrenfußball zu empfehlen. Externe Neuzugänge wird es nur gezielt geben, wenn sie zu 100 Prozent zur Mannschaft und dem Verein passen.NICO-MARIUS SCHMITZ