Remmidemmi in den Playoffs: Ingolstadt gegen den EHC. © Hoppe/dpa
Das Münchner Trainer-Triumvirat: Rob Leask, Oliver David und Max Kaltenhauser (v. l.). © Red Bull/City-Press
München – Die Saison 2024/25 begann er beim EHC Red Bull München als Co-Trainer – und wurde nach ein paar Spieltagen und der Entlassung von Toni Söderholm plötzlich zum Chef an der Bande befördert. Doch nach zweieinhalb Monaten zog Max Kaltenhauser sich wegen privater Themen zurück, nahm eine Auszeit. 2025/26 wirkte er wieder in seiner ursprünglich vorgesehenen Rolle als Assistent, nun von Oliver David. Wie er die Spielzeit aus der zweiten Reihe erlebte, erzählt der 45-Jährige aus Ebersberg im Interview.
Herr Kaltenhauser, was macht eine Eishockey-Mannschaft, wenn das letzte Spiel gespielt ist, man aber noch über eine Woche zusammenbleibt?
Trainiert wurde nicht mehr. Es wurden wie überall im Profi-Eishockey Exit-Meetings abgehalten. Was es bei Red Bull dann noch gibt: Radltests, Athletiktests.
Wie war denn Ihr persönliches Jahr so?
Gut eigentlich – ich habe das gemacht, was ich vorhatte, als ich herkam. Klar hätten wir uns mehr gewünscht, aber mit den anderen aus den großen Vier das Halbfinale erreicht zu haben, ist keine Schande.
Wer genau hingesehen hat, bemerkte eine Besonderheit: Ihr Assistentenkollege Rob Leask, ehemaliger Verteidiger, coachte erstmals in seiner Laufbahn die Stürmer, Sie waren für die Verteidiger zuständig. Hat Sie das weitergebracht?
Zu hundert Prozent. Letztes Jahr die paar Spiele als Co-Trainer war ich für die Stürmer und das Überzahlspiel verantwortlich, vor der Aufgabe nun mit den Verteidigern hatte ich Respekt. Auch in Regensburg in der DEL2 als Cheftrainer habe ich das nie selber gemacht, der Experte war ein anderer, ich habe nur draufgeschaut. In München waren die Jungs zufrieden, Oliver war zufrieden und die Unterzahl-Statistik mit über 80 Prozent ganz okay. Oliver hat gesagt, die Unterzahl sollte uns keine Spiele verlieren. Das ist nicht exorbitant passiert, auch in der Mannheim-Serie haben wir da eher einen besseren als schlechten Job gemacht.
Setzen Sie zur Einstimmung auf ein Spiel noch auf Riechsalz – oder sind Sie auf Fisherman‘s Friend umgestiegen?
(lacht) Riechsalz ist so eine Marotte. Aber ja: Jetzt auch Fisherman‘s Friends.
Wir fragen, weil Oliver David, bevor es losgeht, gerne in die Tüte mit den Pastillen greift. Wie lief die Eingewöhnung im neuen Trainerteam? Auch Rob Leask kam frisch hinzu.
Es war anfangs nicht leicht, denn es fängt schon mit der Terminologie an. Aber wir haben viel geredet, und das Feedback der Spieler lautete, dass alle Coaches die gleiche Sprache sprechen. Für mich war meine Rolle klar: den Cheftrainer zu unterstützen.
Ein Cheftrainer trägt viel Verantwortung: Oliver David wurde – wie in den Playoffs auch einmal Dallas Eakins von den Adlern Mannheim – von der Liga „wegen mangelnder Einwirkung auf die Disziplin der Mannschaft“ zu einer Geldstrafe verdonnert. Kann man das als Trainer überhaupt einfangen, wenn ein Spiel aus den Fugen gerät – wie das vierte Viertelfinale des EHC in Ingolstadt?
Im Eishockey wird jeder Trainer seiner Mannschaft sagen: Wir müssen hart spielen. Das haben wir vor unseren 52 Hauptrundenspielen gesagt, und es ist nichts Unnormales, dass in den Playoffs noch härter gespielt wird. Was wir nicht sagen: Wir müssen es dirty machen. Und wir reden von einem Spiel.
Mit 125 Strafminuten. Und der Aktion von Fabio Wagner gegen den Ingolstädter Edwin Tropmann.
Diese Aktion ist aus dem Ruder gelaufen, sie darf nicht zum Eishockey gehören – aber Fabio selbst verurteilt sie am härtesten. Wir sind alle froh, dass es Edwin Tropmann wieder gut geht – und ich kann versichern: Es hat keine Order gegeben, den Spieler zu verletzen. Vor allem: Würde man das wollen, wie es vor 20, 30 Jahren nicht unüblich war, sucht man sich nicht den 20-jährigen siebten Verteidiger heraus, sondern haut dem Topscorer auf die Hand – was wir nicht gemacht haben. Was ich in Ordnung fand, war der Fight von unserem Dillon Heatherington. Ingolstadts Morgan Ellis hat nach Abpfiff auf unser Tor geschossen, schon im Nachwuchs lernt man, dass man sich dafür stellen muss. Mann gegen Mann, das gehört dazu. Lange war es kein überhartes Spiel, aber es hat sich hochgeschaukelt. Eishockey ist ein Kontaktsport, es kann jemand auch blöd hinfallen, und dann geht‘s wieder los. Summa summarum: Kann man jemanden einfangen? Es ist schwierig, aber nicht unmöglich.
Wie empfinden Sie als bekennender 1860-Fan, dass 1860-Fan Koni Abeltshauser den EHC verlässt?
Ich hoffe, dass wir wieder einen Sechziger verpflichten, sonst bin ich allein. Ich kenne den Koni nicht so lange wie die Münchner Eminenzen, aber denke, dass er eine wahnsinnig gute Zeit hier gehabt hat. Und da meine Verteidiger-Gruppe an der Bande nicht so groß war, habe ich gemerkt: Er ist ein ganz feiner Kerl.
INTERVIEW: GÜNTER KLEIN