Schneller Mann, flotter Schuh: Sebastian Sawe nach seinem London-Sieg. © Walton/dpa
London – Geht das überhaupt? Ein Schnitt von über 22 km/h bei einem Marathon? Ja, das geht, das hat Sabastian Sawe mit seinem Fabelweltrekord von 1:59:30 Stunden am Sonntag in London bewiesen. Ja, das geht, sagt auch Doping-Experte Fritz Sörgel über die erste offizielle Zeit unter zwei Stunden. „Ich stehe sprachlos davor. Aber ich sage auch ganz klar: Im jetzigen Stadium sind keine Zweifel angebracht, weil ich mir diese Leistung erklären kann“, sagt der Pharmakologe.
Sawes Trainer Claudio Berardelli erklärte die Leistung seines Schützlings mit dem hohen Trainingspensum, dem ultraleichten „Superschuh“ Adidas Pro Evo 3 (unter 100 Gramm), der Verwendung eines speziellen Kohlenhydrat-Gels – und mit dem Verzehr von Honigbroten zum Frühstück. „Das mit den Honigbroten ist natürlich Quatsch“, sagte Sörgel. Aber ja, „die Trainingsmethoden sind ausgefeilt. Zudem ist die Physiologie in bestimmten Herkunftsländern anders“, erklärt Sörgel. Er nennt den 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt als „bestes Beispiel. Die ganze Abstimmung hat sehr gut funktioniert bei ihm. Bis heute wurde bei ihm nichts gefunden. Auch in Nachproben, die heutzutage möglich sind, nicht.“
Der Wissenschaftler schränkt bei seinen Ausführungen aber ein: „Dopingkontrollen in Ostafrika – ich will es vorsichtig sagen – sind nicht auf dem Niveau, wie wir sie kennen. Doch Sawe wurde noch nie positiv getestet, das ist Fakt.“
Auch bei den Frauen gab es einen Rekord. Tigst Assefa wiederholte mit einem starken Finish ihren Triumph aus dem Vorjahr. In Abwesenheit der Olympiasiegerinnen Sifan Hassan (Niederlande/2024) und Peres Jepchirchir (Kenia/2021) verbesserte die Äthiopierin ihre eigene Bestzeit für ein reines Frauen-Rennen um neun Sekunden auf 2:15:41 Stunden.SID