Reise ins Ungewisse

von Redaktion

„Wie die Kriminellen“: Bayern-Fans trauen sich diesmal nicht mit dem Bus nach Paris – Club im Dialog mit Polizei

Paris – Die Entscheidung ist am Wochenende gefallen – und richtig glücklich ist Michael Stefovic damit nicht. Knapp 50 Mitglieder des Fanclubs „Bayern Kings“ wollen am Dienstag aus Selters bzw. Bad Camberg nach Paris fahren, der Reisebus stand schon bereit. Aber weil man das, was man vor einem knappen halben Jahr beim Liga-Spiel des FC Bayern im Prinzenpark erlebt hat, nicht noch einmal durchmachen will, hat sich der Fanclub gegen eine gemeinsame Reise entschieden. Teils mit dem Flugzeug, teils mit dem Pkw werden die knapp 600 Kilometer nun zurückgelegt – in der Hoffnung, dann vor Ort Ruhe zu haben. „Wir wollen Spaß, Support und Party“, sagt Stefovic. Und nicht behandelt werden wie Schwerkriminelle.

Genau das war nämlich rund um das 2:1 der Bayern Anfang November passiert. Stefovic, auch unter dem Namen „Bayern-Michel“ bekannt, erinnert sich noch bestens, verdaut ist die Sache noch nicht. Auf Verfügung der Polizeipräfektur mussten sich alle 15 Fan-Busse der Bayern an einer Mautstelle außerhalb von Paris an der Autobahn Nr. 4 versammeln. „Es wurde mit uns umgegangen, als hätten wir gerade eine Bank überfallen.“ Es gab wenig zu trinken und noch weniger Toiletten. Vor allem aber regt Stefovic auf, dass diejenigen, die die harten Maßnahmen der Polizei eigentlich treffen sollten – nämlich die Ultras – davon überhaupt nicht tangiert wurden. Sie machten sich individuell auf den Weg in die Stadt, während „wir Normalen die Leidtragenden waren“. Und genau deshalb geht man dieses Mal lieber auf Nummer sicher.

Auch damals nämlich wurden der FC Bayern und die anreisenden Fanclubs erst am Vorabend über die Strenge vor Ort informiert, die seitens des Vereins sogar noch gerichtlich angefochten wurde. Man war erbost, und man hofft, dass die Dinge diesmal anders laufen. In gutem Austausch sei man aktuell mit Paris Saint-Germain, der UEFA und der Polizeipräfektur, heißt es, man hört die Aussage „guter Dinge“. Zwei Neuerungen geben Anlass zum Optimismus: Anders als in der Liga erhalten die Bayern die vollen fünf Prozent der Karten. Zudem hat es einen Wechsel in der Leitung der Polizeipräfektur gegeben. Aber bis 24 Stunden vor dem Spiel kann alles passieren.

Die Aufklärung war auch Thema im Arbeitskreis Fandialog, dem Stefovic angehört. Seine Vermutung: „Seitdem die Frankfurter Ultras in Europa wüten, werden alle deutschen Fans über einen Kamm geschoren.“ Dabei wollen er und die Bayern-Kings doch nur eins: „Einen perfekten Bayern-Tag erleben.“ Am liebsten alle zusammen. Diese Möglichkeit wurde ihnen diesmal schon weit vor dem Anpfiff genommen.H. RAIF, M. BONKE

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