München – Der Eishockeygruß zum Ende der Saison lautet: Schönen Sommer. Die Nordamerikaner, sozusagen Saisonarbeiter, begeben sich in die Heimat. Im Mai, Juni, Juli ist ihr Leben dann weit weg von und ein ganz anderes als von August bis April in Deutschland.
Ryan Murphy (33) aus Kanada nimmt diesmal besondere Eindrücke mit nach Hause in die Provinz Ontario. Das erste Jahr in der DEL vermittelte ihm angesichts voller Stadien („Bei meinem ersten Spiel in Köln 18.500 Zuschauer – im Bus sagte ich: Was für eine Liga!“) das Gefühl, „zurück in der NHL zu sein“. Außerdem glaubt er, irgendwann später einmal Mitspieler aus der Saison 2025/26 in München in der großen National Hockey League zu sehen. „Vielleicht“, sagt er, „werde ich in zehn Jahren sagen können: Ich habe mal mit dem Gewinner der Norris Trophy in einem Team gespielt.“ Besagte Trophäe ist der Preis, den der beste Verteidiger der NHL zugesprochen bekommt.
Murphy bezieht sich auf Alberts Smits. Der 18-Jährige war für kurze Zeit sein Teamgefährte in München, teilweise auch sein Abwehrpartner. Smits wird für den EHC Red Bull eine Episode für nicht mehr als 16 Spiele bleiben. Gekommen Ende Februar – und bei der Saisonabschlussfeier am 26. April schon nicht mehr da, weil er sich wegen einer Verletzung nach Lettland begeben hatte, um für die WM schnell fit zu werden. Die Münchner Verantwortlichen hatten Smits, damals noch 17, mit dem lettischen Team beim Deutschland Cup im November in Landshut spielen sehen, „wir waren geflasht“, so EHC-Sportchef Christian Winkler. Smits stand unter Vertrag beim südfinnischen Club Jukurit Mikkeli, der in seiner Liga aber keinen Playoff-Platz erreichte. Daher suchte Smits‘ Management einen Platz für ihn für den Rest der Saison. Der junge Verteidiger selbst soll an der Auswahl seines Münchner Leihvereins gar nicht beteiligt gewesen sein – und der Vertrag eine Klausel enthalten haben: Einsatz garantiert. Es ging darum, für den Draft in der NHL vorzuspielen.
Der findet am 27. und 28. Juni in Los Angeles statt – und Ryan Murphy wird die Ziehung der Talente interessiert verfolgen: „Ich hoffe, Alberts kommt in den ersten Stunden dran“, sagt er. Der Eröffnungstag gehört den Erstrunden-Drafts, Smits hat beste Chancen, zu ihnen zu gehören. Aktuell listen ihn zwölf Scoutinglisten unter den Top Ten. Murphy war selbst ein „Firstrounder“. Er weiß aus eigener Erfahrung: „Es hängt vom Grad an Reife ab, ob man es dann auch schafft.“ Bei Smits sieht er nach zwei Monaten persönlicher Bekanntschaft dafür beste Chancen. „Er ist mit 18 so, wie ich mit 25 war.“ Murphys Karriere blieb mit 176 NHL-Spielen überschaubar, er hatte drei Clubs (Carolina, Minnesota, New Jersey), fasste nirgendwo richtig Fuß. Für Smits wünscht er sich, „dass er von den Toronto Maple Leafs gedraftet wird“. Erstens: Murphy ist Fan des Traditionsclubs, der dieses Jahr ein hohes erstes Draftrecht genießt. Zweitens: „Ich sehe, wie er als Person ist, und denke, er kann sich auf diesem Markt zurechtfinden.“ Er ist medial der neben New York größte in der NHL.
Freuen würde sich Murphy auch für Veit Oswald (21), wenn der die Möglichkeit auf einen Platz in der NHL bekäme. „Ossi hat massives Potenzial. Ich war geschockt, wie gut er ist, als ich ihn das erste Mal spielen sah. Seine Verletzung im Januar hat uns wehgetan, doch danach ist er in herausragender Form zurückgekehrt.“
Doch vorerst wird der Youngster dem Routinier 2026/27 noch erhalten bleiben. Oswald bestätigte Gespräche mit den Edmonton Oilers, entschied aber, ein Wechsel käme „zu früh. Ich will mich hier verbessern.“ Also sieht er die vertrauten Gesichter wieder. Nach dem schönen Sommer.GÜNTER KLEIN