Bleibt er? Dulic hat bei 1860 einen Vertrag bis 2028. © IMAG.
München – Viel war bei 1860 zuletzt von Abschieden die Rede, von auslaufenden Verträgen und von Abgängen wider Willen. Doch dann, in der Schlussphase gegen Ulm, stand plötzlich Sean Dulic auf dem Feld. Eingewechselt nach vier Monaten Pause. Ein Rückkehrer, fast schon in Vergessenheit geraten. Dulic kam am Samstag für Marvin Rittmüller – und könnte ab Sommer ausgerechnet jenen Mann ablösen, der ihn seit dem Winter vertreten hatte: Raphael Schifferl. Der Nachfolger seines Nachfolgers ist zurück auf der Bühne.
„Nach 126 Tagen…“, schrieben die Löwen auf ihrem Instagram-Kanal zu einem Video, das Dulic bei seiner Einwechslung zeigt. Eine Zahl, die mehr ist als nackte Statistik – sie steht für eine schwierige Phase im Leben des Abwehrtalents. „Es war eine lange Leidenszeit, ich habe hart auf das Comeback hingearbeitet und bin einfach froh, dass ich wieder auf dem Platz stehen kann“, sagte der 20-Jährige nach dem 3:2-Sieg. Die Verletzung sei „schwerwiegend“ gewesen – „mit Sehnenbeteiligung“. Die Sehne hätte sich „immer wieder gemeldet“.
Dass es ohne ihn zuletzt nicht rund lief, hat auch der Dauerbrenner der Hinrunde (19 x 90 Minuten) registriert. „Wir haben in den letzten Wochen und auch in Saarbrücken nicht unser bestes Gesicht gezeigt.“ Seine Rückkehr kommt zur richtigen Zeit. Sportlich könnte Dulic sofort wieder eine größere Rolle spielen – wirtschaftlich ist er ohnehin ein Faktor. Obwohl er so lange weg war, gilt der U 20-Nationalspieler weiterhin als Verkaufskandidat. Er soll auch bei höherklassigen Clubs auf dem Zettel stehen.
Und sein aktueller Verein? Der hat sich zumindest eine gute Verhandlungsposition gesichert. Der Langzeitlöwe (seit 2014 im Verein) ist noch bis 2028 gebunden, eine Ablösesumme frei verhandelbar – Ex-Geschäftsführer Christian Werner hatte beim Vertragsabschluss Weitblick bewiesen. Mit einem Marktwert von 1,3 Millionen Euro (Quelle: Transfermarkt) gehört Dulic zu den spannendsten Spielern der 3. Liga. Seine Stärken: Tempo und Technik, geschickte Zweikampfführung, solides Aufbauspiel. Luft nach oben gibt es nach eigener Auskunft im Kopfballspiel.
Doch bleibt er? Diese Frage wird die Löwen über die Sommerpause hinaus begleiten. Auf entsprechende Fragen in der Mixed-Zone wich Dulic aus: „Ich habe noch zwei Jahre Vertrag. Ich bin in München geboren, ich bin hier aufgewachsen. Das ist alles, was ich dazu sagen kann.“ Ein klares Treuebekenntnis klingt anders.
Dulic weiß selbst, wie schnell sich im Fußball Ausgangslagen ändern – besonders bei einem Drittliga-Dino, der jeden Euro zweimal umdrehen muss. Solange es sportlich und wirtschaftlich an einer stabilen Perspektive fehlt, bleibt es für die Löwen eine Herausforderung, Spieler seines Kalibers langfristig zu halten.ULI KELLNER