Spektakel ohne Happy End

von Redaktion

Wilder Schlagabtausch: Bayern wahrt Triple-Hoffnung trotz 4:5 in Paris

Schlusspunkt: Das 4:5 von Luis Diaz. © Poujoulat/AFP

Elfmeter versenkt: Ousmane Dembélé zielte sicher und ließ Manuel Neuer keine Chance. © Gambarini/dpa

Paris – Der Rahmen für ein episches Spiel war am Dienstag im Pariser Prinzenpark schon vor dem Anpfiff gesteckt. Die Nationalhymne aus 48.000 Kehlen, Feuerwerk, dazu forderten die Fans von Paris Saint-Germain in ihrer Choreografie die „Eroberung von ganz Europa“. Das „Alles geben für unseren Traum“ im Fanblock des FC Bayern wirkte vergleichsweise unspektakulär – aber das war in den 90 Minuten danach vollkommen egal. Neun Tore gab es bei diesem offenen Schlagabtausch im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals zu sehen – und obwohl die Bayern zwischendurch 2:5 zurücklagen, stand am Ende ein 4:5 (2:3). Was ein Abend! Was ein Spiel! Was für Teams! Noch ist der Triple-Traum nicht ausgeträumt.

Zwar hatte Harry Kane die Bayern früh per Elfmeter in Führung gebracht (17.) und Michael Olise zwischenzeitlich ausgeglichen (41.), zweimal Kwarazchelia (24./56.), Ousmane Dembélé (41./58.) und Joao Neves (33.) aber die Offensiv-Power des Titelverteidigers gezeigt. Dayot Upamecano (65.) und Luis Diaz (68.) bliesen zur Aufholjagd – es ging in diesem monumentalen Fußballspiel auf derart hohem Niveau hin und her, dass man zu Recht von einem vorgezogenen Finale sprach. Keine Partie für die Nerven von Vincent Kompany, der gesperrt auf der Tribüne saß. Sein Ersatzmann Aaron Danks gab alles, und 32 Tage vor dem Finale in Budapest ist trotz der knappen Pleite auch noch alles drin.

Es ging ab Minute eins intensiv zur Sache. Einen ersten zaghaften Versuch der Torannäherung unternahm der ausgepfiffene Olise. Viel spielte sich zu Beginn zwischen den beiden Strafräumen ab, die ersten gefährlichen Momente lösten die Bayern im Kollektiv. Und wirklich interessant wurde es dann ohnehin erst mal im Pariser Strafraum.

Pacho kam zu spät, holte Diaz von den Füßen. Berechtigter Elfmeter – und Kane lässt sich nicht zweimal bitten. Eiskalt, abgeklärt, rechts unten – 1:0 für die Bayern. Olise hätte sofort nachlegen können (20.), scheiterte aber an Safonov. Es wäre wichtig gewesen, denn auch wenn Dembélé den Ausgleich leichtfertig vor Neuer vergab (23.), zeigte PSG eine Minute später, wie man die Bayern-Abwehr aushebelt. Kwarazchelia ließ Stanisic links liegen, tänzelte sich durch und schlenzte herrlich ins Netz. Neuer ohne Chance, 1:1.

Keine Minute zum Durchatmen. Aber als Olise nach einem Weltklasse-Solo vergab, kam es doppelt bitter. Ecke, Joao Neves lief ungeachtet von Musiala ein und köpfte zum 1:2. Wer dachte, jetzt wird’s ruhiger, hatte die Rechnung ohne Olise gemacht. In der 41. Minute kam er zentral, ließ vier PSG-Spieler unbeachtet und schloss zum 2:2 ab. Ein Traumtreffer, aber nicht zum Halbzeitstand. VAR-Check, nachdem Davies den Ball an die Hand bekommen hatte, Dembele verwandelte.

Der torreichsten ersten Halbzeit eines Halbfinals folgte der Horror für die Bayern. Kvaratskhelia nach Hakimi-Pass zum 4:2 (56.), Dembélé zwei Minuten später zum 5:2. Jeder Schuss saß, die Bayern schwammen. Als Upamecano das 3:5 gelang und Diaz nachlegte, keimte wieder Hoffnung auf. Aber mehr ging nicht mehr. Dafür – garantiert – kommenden Mittwoch, beim Rückspiel in München. Wer erobert Europa?!HANNA RAIF, MANUEL BONKE

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