ZUM TAGE

2026 gewinnt die Offensive Titel

von Redaktion

Gretchenfrage des Fußballs

Von dieser Partie musste sich jeder erst mal erholen. Experten, Fans und Protagonisten waren sich nach dem 4:5 des FC Bayern in Paris einig darin, dass sie ein derart intensives Fußballspiel noch nie erlebt hatten. Hin und her und hin und her waren die Köpfe auf der Tribüne gegangen, vor dem TV konnte man sich keine Toiletten- oder Zigarettenpause erlauben, auf dem Rasen wurde jede Unachtsamkeit im Nu bestraft. Nur logisch, dass der Adrenalinspiegel in der Nacht zum Mittwoch schwer herunterzuregeln war – und beim Bankett deshalb auch niemand schnell ins Bett wollte. Bestes Pflaster für die Frage des Abends: Sind neun Tore in einem Halbfinale ein Gütesiegel – oder doch ein Armutszeugnis für die Defensive der beiden vermeintlich besten Teams in Europa?

Max Eberl durfte sie als einer der Ersten beantworten. Und die Dünnhäutigkeit, mit der der Sportvorstand des FC Bayern auf kritische Nachfragen zur – vorsichtig gesagt – nicht ganz fehlerfreien Abwehrleistung kommentierte, sprach Bände. Seine Ankündigung, dass der FC Bayern seinen unter Vincent Kompany ausgereiften Hurra-Spielstil nicht aufgeben wird, deckte sich mit der Aussage von PSG-Trainer Luis Enrique, der für kommende Woche die nächste Torflut ankündigte. Auch wenn Defensiv-Verfechter beim Anblick dieses Schlagabtausches mit offenem Visier „verrückt werden“, wie Thierry Henry in seiner Rolle als TV-Experte treffend feststellte: Für alle, die den Fußball lieben, ist das eine gute Nachricht.

30 Tage vor dem Endspiel wirkt es so, als sei die gute alte Phrasenschwein-Weisheit „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Titel“ überholt. Schon 2025 setzte sich PSG mit fünf Treffern gegen Inter durch, heuer stellen sowohl Paris als auch Bayern Offensiv-Bestmarken auf. Was aber höher zu bewerten ist als jeder Rekord: dass beide Teams sich gar nicht verbiegen lassen wollen, sondern das Risiko eingehen. Das Selbstvertrauen der Kompany-Bayern rührt nicht aus Zu-Null-Spielen, sondern aus diversen Aufholjagden. So wurde man zu dem Team, das bereit zu sein scheint für alles – nicht nur ein spektakuläres Rückspiel.

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