FORMEL-1-KOLUMNE

(Fast) Nur noch Dauerplauderer

von Redaktion

Glaubwürdige und klare Worte in der Formel 1? Immer mehr Fehlanzeige! Chef Stefano Domenicali kurvt bei Interviews regelmäßig um brisante Themen herum. Er gibt entweder den oberflächlichen Motivator eines von einem US-Konzern gesteuerten Milliardenunternehmens oder reagiert auf berechtigte Kritik wie ein trotziges italienisches Kind, dessen Kumpel seinen roten Bagger im Sandkasten nicht ganz so toll findet wie er selbst.

Die Teamchefs entpuppen sich immer mehr als Dauerplauderer, die viel reden, ohne Wichtiges zu sagen. Die Piloten plappern zum größten Teil von den Presseabteilungen vorformulierte Sätze nach – mit Ausnahme vielleicht von Max Verstappen, Fernando Alonso oder Lewis Hamilton, die zu erfolgreich, zu erwachsen oder einfach zu gut sind, um ihnen einen Maulkorb anzuhängen.

Eine der Ausnahmen unter den Teamchefs ist McLaren-Boss Zak Brown (54). Der US-Amerikaner füllt immer mehr die Lücke, die Ex-Red-Bull-Berater Helmut Marko hinterlassen hat. Was ihn aktuell stört: wie sich die Grenzen zwischen den Teams zunehmend verwischen. Auslöser seiner jüngsten Kritik sind Berichte, wonach die Mercedes-Benz Group Interesse daran haben könnte, Anteile am Team Alpine F1 Team zu übernehmen. Ein Schritt, der zwar innerhalb der Regeln liegt, für Brown jedoch ein gefährliches Signal sendet.

Grund: Seit Jahren warnt er vor sogenannten A- und B-Teams – Konstruktionen, bei denen Teams enger zusammenarbeiten oder sogar teilweise denselben Besitzern gehören. Für Brown ist klar: „Davon müssen wir so schnell wie möglich weg.“

Seine Sorge ist nicht theoretisch. Er sieht konkrete Beispiele, in denen die sportliche Integrität bereits gelitten hat. So erinnert er an Situationen auf der Strecke, in denen Fahrer strategisch Einfluss auf das Ergebnis anderer Teams nahmen – etwa als Racing-Bull-Pilot Daniel Ricciardo kurz vor Rennende noch die schnellste Runde holte und damit dem Schwesterteam Red Bull half.

Doch nicht nur auf der Strecke sieht Brown Probleme. Auch hinter den Kulissen erkennt er eine wachsende Schieflage: Mitarbeiter wechseln plötzlich von einem Team zum anderen, Know-how wandert mit – oft ohne klare finanzielle Ausgleiche. Besonders die enge Verbindung zwischen Scuderia Ferrari und Haas F1 Team nennt er als Beispiel für eine Praxis, die sportliche und wirtschaftliche Vorteile verschieben kann.

Für Brown ist die Lösung klar: Motorenlieferungen sollten die einzige Verbindung zwischen Teams bleiben. Ansonsten müsse jedes der elf Teams so unabhängig wie möglich agieren. Denn am Ende, so warnt er, steht mehr auf dem Spiel als nur einzelne Rennen. „Wenn Fans das Gefühl verlieren, dass alle Teams wirklich unabhängig und fair gegeneinander antreten, könnte genau das den Sport langfristig beschädigen.“

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