Viel zu tun: Upamecano und Stanisic. © Poujoulat/AFP
Kaltstart: Laimer (links) wurde für Davies in der zweiten Hälfte eingewechselt. © Poujoulat/AFP
Schlusspunkt einer famosen Offensiv-Leistung: Diaz gelang trotz 2:5-Rückstand noch das 4:5 für die Bayern. Der Bayer machte ein herausragendes Spiel, genau wie sein Flügelpartner Michael Olise. © Poujoulat/AFP
Paris – Max Eberl hatte in den Katakomben des Prinzenparks keine Lust, nach der epochalen Champions-League-Schlacht über mögliche Defensiv-Anpassungen seiner Bayern zu sprechen. „Für mich war es ein grandioses Spiel – obwohl man gerade versucht, Ecken und Kanten zu finden“, grantelte der Sportvorstand in die Mikrofone, als er auf die Gegentorflut angesprochen wurde, und fragte: „Warum sind wir hier? Weil wir bisher so Fußball gespielt haben. Jetzt das ganze Spiel zu ändern, wäre völlig absurd.“
In Paris kassierten die Münchner fünf Dinger, im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid drei. Die alte Fußballerweisheit, dass die Offensive Spiele gewinnt und die Abwehr Titel, führt die Mannschaft von Chefcoach Vincent Kompany diese Saison ad absurdum – und zwar auf eine spektakuläre Art und Weise. „Unser Spiel ist Aktivität, nach vorne. Im Rückspiel müssen wir die Situationen vorne sauberer zum Abschluss kommen“, gibt der Sportchef die Marschroute für das Rückspiel vor.
Die Pariser Star-Offensive um Ousmane Dembélé, Khvicha Kavaratskhelia und Desire Doue schaffte es immer wieder, in den Rücken der Bayern-Abwehr zu gelangen, und sorgte in erster Linie über die Außenbahnen für permanente Gefahr. Das lag auch daran, dass die Münchner gewohnt hoch standen und aktiv sein wollten. Problem: Die Restverteidigung war an diesem Abend nicht ideal. „Wir müssen ein paar Dinge anpassen, besser verteidigen“, kündigte Mittelfeldchef Joshua Kimmich an.
Dass der Dienstagabend für den deutschen Rekordmeister nicht mit einem Debakel endete, war den spektakulären Leistungen von Michael Olise und Luis Diaz zu verdanken. Der Kolumbianer war der unermüdliche Antreiber auf der linken Außenbahn, holte den Elfmeter zur 1:0-Führung heraus, traf selbst zum 4:5-Anschluss und beeindruckte mit einer aufopferungsvollen Defensivarbeit. „Lucho hat ein unfassbares Spiel gemacht. Unglaubliche Entscheidungsfindung, offensiv und defensiv. Viele Ballgewinne, das Spiel verlagert, Bälle in die gegnerische Hälfte getragen“, schwärmte Kimmich. Amazon-Experte Mats Hummels sah das ähnlich: „Luis Diaz war für mich heute der beste Mann auf dem Platz. Das beste Spiel, das ich je von ihm gesehen habe. Das war unglaublich!“
Und sein kongenialer Flügelpartner Olise? Der zeigte in der Anfangsviertelstunde plötzlich Nerven, legte seine Nervosität mit zunehmender Spieldauer jedoch ab und zeigte seine Klasse – wie bei seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2. „Das ist es, was die Halbfinals der Champions League ausmachen: Die Top-Spieler heben ihr Niveau auf die Situation an. Sie geben immer alles. Was Michael geleistet hat, war unglaublich beeindruckend“, lobte Kompany seinen Schützling.
Durch ihre Treffer haben Kane (15), Olise (11) und Diaz (10) in der laufenden Königsklassen-Saison allesamt eine zweistellige Torbeteiligung, das gab es noch nie. Mehr noch: Der Treffer von Lucho war wettbewerbsübergreifend das 100. Tor des Trios. Damit sind sie das erste offensive Dreiergespann in diesem Jahrhundert, das diesen Meilenstein erreicht und nicht beim FC Barcelona oder bei Real Madrid spielt. Die Offensivtrios hatten die hundert Tore siebenmal erreicht (fünfmal Barcelona, zweimal Real), immer mit Beteiligung von Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Das macht Hoffnung auf ein erneutes Offensiv-Spektakel im Rückspiel.M. BONKE, H. RAIF