Enges 1:1 im Hinspiel: Münchens Giulia Gwinn (M.) im Zweikampf mit Esmee Brugts (li.) und Maria Pilar Leon. © Hildenbrand/AFP
Barcelona/München – José Barcala ist ein Freund von flachen Hierarchien. Wenn der Spanier an der Seitenlinie steht, dürfen auch die Co-Trainer Clara Schöne und Kjetil Lone ins Spielgeschehen reinrufen. Das Coaching ist bei den Frauen des FC Bayern Teamarbeit. „Wenn es darum geht, das Team zu führen und Entscheidungen zu treffen, wird sich in meiner Abwesenheit gar nicht so viel ändern“, erklärte der Trainer, der für das Rückspiel des Halbfinales der Champions League beim FC Barcelona am Sonntag (16.30 Uhr) gesperrt ist, weil er gegen den Platzverweis von Franziska Kett im Hinspiel protestiert hatte.
Die Sperre der Linksverteidigerin wiegt dagegen deutlich schwerer. Die Nationalspielerin hatte beim 1:1 im Hinspiel ihrer Gegenspielerin Salma Paralluelo bei einem Zweikampf an der Außenlinie in den Zopf gegriffen und die Rote Karte gesehen. Gleichwertig zu ersetzen ist Kett nicht.
Erste Vertreterin ist Carolin Simon, die beim 2:0-Sieg im Nachholspiel bei Werder Bremen am Mittwoch hinten links verteidigte. Barcala lobte den „fantastischen linken Fuß“ der 33-Jährigen, die den Verein im Sommer Richtung Bayer Leverkusen verlässt: „Sie ist eine Gewinnerin, eine Kämpferin, eine Spielerin, die jeden Tag Qualität ins Training bringt.“ Doch im Gegensatz zu Kett ist Simon keine ausgewiesene Sprinterin.
Genau diese Geschwindigkeit wird in Barcelona jedoch überlebenswichtig sein, wenn der FC Bayern vor mindestens 60.000 Fans im Camp Nou erstmals den Sprung ins Finale schaffen will. Man habe „nichts zu verlieren“, sagte Nationalspielerin Giulia Gwinn. Die Spanierinnen könnten nach dem verpassten Sieg in München „gerne wütend kommen“, kündigte Gwinn selbstbewusst an: „Wir kommen sehr motiviert, wir kommen mit viel Vorfreude.“
Barca kommt mit Geschwindigkeit. Offensiv-Ass Paralluelo wurde in dieser Saison bereits mit 33 km/h geblitzt – sie ist eine der schnellsten Spielerinnen der Welt. Auch Vicky Lopez oder Caroline Graham Hansen, die bei Barca ebenfalls über rechts wirbeln, bringen es auf ein ähnliches Tempo. Die Bayern-Frauen werden eine Lösung finden müssen, diese Spielerinnen ohne Kett einzubremsen.
60 000 Fans im Campo Nou
Eine Option könnte Katharina Naschenweng sein, die allerdings verletzungsbedingt bisher wenig Spielminuten sammeln konnte. Oder Innenverteidigerin Stine Ballisager rückt auf die Außenbahn, mit der Geschwindigkeit der Barca-Angreiferinnen könnte die Dänin aber ebenfalls ihre Probleme bekommen. Auch Klara Bühl könnte auf der linken Außenbahn deutlich mehr in die Defensivarbeit eingebunden werden – letztlich wird die ganze Mannschaft gefragt sein.
Das Trainerteam wird sich dafür eine gute Taktik überlegen müssen – immerhin kann Coach José Barcala im Vorfeld dabei noch mithelfen.CHRISTIAN STÜWE