ZUM TAGE

Pionierinnen – mit Mut und Kompetenz

von Redaktion

Krüger auf dem Sprung zum HSV

Wie es ist, als Frau in einer Männerwelt mitzuspielen, hat Kathleen Krüger schon früh gespürt – und einmal heftig. Zwölf Jahre ist es her, da nahm die Delegation des FC Bayern Kurs auf Kuwait, der Kronprinz hatte am Rande eines Tests im Winter zum Empfang gebeten. Thomas Müller, Matthias Sammer, Pep Guardiola: Sie alle schüttelten brav die Hand von Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah, aber als die damalige Teamleiterin an der Reihe war, zog der Gastgeber zurück. Keine offizielle Begrüßung für Frauen, auch nicht im Trainingsanzug. Krüger schaute fragend drein – und ging weiter. Kein Kommentar, kein Drama.

Heute, mit 40 in einer Führungsposition, ist Kathleen Krüger eine andere als damals, mit 28 und als Teammanagerin. Was aber gleich geblieben ist, ist das Naturell der Mitarbeiterin, die den FC Bayern aller Voraussicht nach zeitnah verlassen wird, um beim Hamburger SV als Sportvorständin anzuheuern. Krüger war 2011 Pionierin als erste Frau, die eine Bundesliga-Mannschaft organisiert. Und sie ist es heute, wenn sie kurz nach RB-CEO Tatjana Haenni in die Führungsetage eines Profivereins drängt. Dass ihr dieser zweifellos große Schritt nicht aufgrund von Selbstdarstellerqualitäten oder gar permanenter Sichtbarkeit zugetraut wird, spricht Bände. Krüger ist nicht laut und opportunistisch. Sie ist ehrgeizig, kompetent, vernetzt und lernwillig.

Die Bayern wissen, wen sie da verlieren; der HSV hat das Glück, anderen zuvorgekommen zu sein; und der deutsche Fußball kann das Jahr 2026 schon mal als wegweisend abspeichern, wenn es um die Rolle der Frau in einer Männerdomäne geht. Vielleicht hätte es noch größere Signalwirkung gehabt, hätte der FC Bayern die Unternehmerin Alexandra Schörghuber (und nicht Alexander Sixt) zur Verwaltungsbeiratsvorsitzenden und somit ersten Aufsichtsrätin gewählt – kurz nachdem Marie-Louise Eta als Cheftrainerin Geschichte geschrieben und Haenni/Krüger zu mächtigen Macherinnen wurden. Aber eins nach dem anderen.

Immerhin: Ein positiver Anfang ist gemacht. Weil es Kämpferinnen gibt, die an sich glauben. Auch ohne den Handschlag wichtiger Männer.

Artikel 1 von 11