Identität statt Prominenz

von Redaktion

Nach Absagen aus der NHL: Eishockey-Nationalteam betont den Zusammenhalt

Lokalmatadoren: Maxi Kastner (München, l.) und Marcus Weber (Nürnberg) entstammen dem SC Riessersee. © DEB/City-Press

Österreich zu Boden gerungen: DEB-Stürmer Tim Brunnhuber. © DEB/City-Press

Garmisch-Partenkirchen – Draußen 25 Grad, Gedränge an den Essens- und Getränkeständen, auf den Grills brutzelt das Fleisch. Später dann drinnen im Garmisch-Partenkirchner Eissportzentrum: Ziemlich gut gefüllte Ränge (5148 Zuschauer) und spürbare Sympathie für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei deren 5:2 (2:0, 1:0, 2:2)-Sieg im WM-Vorbereitungsspiel gegen Österreich. „Einfach ein Tag zum Genießen“, sagte Maxi Kastner, der zwar für München spielt, aber halt immer noch der Lokalmatador aus dem Olympia-Ort ist. Er erzielte das 1:0 und wurde vor den Augen seines Familie und des Freundeskreises als bester deutscher Spieler ausgezeichnet. Er richtet den Blick auf die am 15. Mai beginnende Weltmeisterschaft in der Schweiz, er sagt, er verspüre „Vorfreude – aber ich muss die nächste Phase überstehen“. Eine Trainingswoche und ein Spiel (kommenden Sonntag in Mannheim gegen die USA) stehen noch an, dann wird final nominiert – doch Kastner hat sehr gute Chancen, in Zürich (und Fribourg) dabei zu sein.

Es werden noch einige Spieler aus der Finalserie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) erwartet, aber zu großen Umbauten wird es nicht mehr kommen. Die Nationalmannschaft, die sich in zwei Spielen gegen Österreich präsentierte (das erste hatte sie in Zell am See 4:3 gewonnen), wird den Kern des WM-Teams bilden. Das ist ungewöhnlich, normal scheiden nach „Phase drei“ (von vier) sehr viele Spieler aus – diesmal ist es nur Andy Jenike (Iserlohn), einer der Torhüter.

Kurios ist das dieses Jahr schon. Drüben in Nordamerika lief alles so, dass die Nationalmannschaft zu WM-Beginn ein nominelles Dream Team haben könnte: Die Weltklassespieler Leon Draisaitl (Edmonton) und Tim Stützle (Ottawa) sind in der ersten Runde der NHL-Playoffs ausgeschieden, Topverteidiger Moritz Seider ist mit Detroit mal wieder gar nicht erst reingekommen, zudem war im Achtelfinale auch schon Schluss für John-Jason Peterka (Utah) und Lukas Reichel (Boston). Um den Stanley Cup spielt einzig noch Nico Sturm (Minnesota).

Christian Künast, Sportvorstand des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), hat die (erwartbaren) Absagen für die WM seitens der Stars schon eingesammelt: „Leon Draisaitl ist nach seiner Verletzung nicht bei 100 Prozent“, angeschlagen sei zudem Tim Stützle, „auch bei JJ Peterka sieht es schlecht aus“. Lukas Reichel muss nach Ende seiner NHL-Saison fürs Farmteam Providence in der AHL weiterspielen, in der auch Wojciech Stachowiak (Grand Rapids) und Torwart Arno Tiefensee (Texas) zugange sind. Zur WM kommen wird allenfalls Josh Samanski, der für die Edmonton Oilers seine erste Saison bestritt (29 NHL-Partien) Künast: „Mündlich sind wir klar.“ In gutem Austausch befinde er sich mit Moritz Seider, der erneut ohne Ausfall durch die NHL-Saison kam, aber einige Verletzungsthemen hat. Seider selbst will nach dem letzten Test gegen die USA entscheiden, ob er die WM spielt.

Nach dem Highlight Olympia war die Zurückhaltung der NHL-Asse zu erwarten, allerdings hat der aus deutscher Fan-Sicht schmucklose Verlauf des Turniers in Mailand die Lust an einem Kader gemindert, der sich vor allem über die großen Namen definiert. Es wird gehofft, dass die jetzige Mannschaft eine klare Identität entwickelt. „Wir wollen wieder dahin, dass wir mit Kampf, Leidenschaft, Stärke, Zusammenhalt spielen“, so Maxi Kastner, der eines der „Olympia-Opfer“ war und nicht zu den Spielen gedurft hatte. Er erinnert an Silber bei Olympia 2018 und WM 2023, „da hatten wir nicht die größten Namen, aber die Erfolge“.

Identität ist das Thema dieser WM-Vorbereitung. Bundestrainer Harold Kreis beobachtet, „dass die Spieler offensichtlich Spaß haben und das Bedürfnis, etwas zusammen zu unternehmen“. Man habe die Spieler auch gefragt, wie sie die Identität der Nationalmannschaft definieren würden, „denn das soll nicht von oben nach unten verordnet werden“. Nun hat das Team vier Tests (Slowakei. Österreich) am Stück gewonnen, dem Coach gefällt „die Spielweise mit Disziplin und Zusammenhalt“. Und auch, „dass die Mannschaft nicht zufrieden ist“. In jedem Spiel gab es einige Dellen – am Samstag ließ man die Österreicher auf 2:3 herankommen. Die deutschen Torschützen waren neben Kastner (8.) Alexander Blank (13.), Dominik Kahun (40.), Daniel Fischbuch (56.) und Tim Brunnhuber (Empty Net, 60.).

Dominik Kahun war erstmals Kapitän – und glücklich: „Bei der Nationalhymne habe ich mit den Emotionen gekämpft, so viel ist mir an Erinnerungen durch den Kopf gegangen.“ Er spielt gerne – und so soll es sein.GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11