Die Bilder waren überwältigend: Hunderttausende Schalker strömten am Samstag durch Gelsenkirchen, um ihren Club zum Wiederaufstieg in die Bundesliga zu tragen. Der 1:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf war ein kollektiver Kraftakt, der zeigt, welche Wucht dieser Verein entfalten kann. Hinter den Kulissen geht die Arbeit jetzt erst so richtig los: Schalkes Aufstieg 2026 soll nachhaltig sein. Die Voraussetzungen dafür sind so gut wie lange nicht. Denn der notorische Krisenclub, in dem auch die absurdesten Kuriositäten nie völlig abwegig erscheinen, wirkt endlich wieder stabil.
Vier Personen sind dafür hauptverantwortlich. Finanzchefin Christina Rühl-Hamers treibt die Sanierung des klammen Clubs (151,4 Millionen Euro Schulden) mit eiserner (Spar-)Hand konsequent voran, während sich auch CEO Matthias Tillmann nach holprigem Start endlich eingegroovt hat. Seit 2019 versuchten sich auf Schalke satte 13 Trainer an der Seitenlinie. Allein in der Vorsaison, in der der Pott-Club – unter Tillmans Leitung – nur knapp den Absturz in die 3. Liga verhindern konnte, waren es deren drei. Danach machte Schalke vieles, wenn nicht sogar alles richtig. Und zwar mutig, modern und konsequent. Frank Baumann, 2025 zum Sportvorstand ernannt, gelang mit der Verpflichtung von Miron Muslic als neuem Trainer der wahrscheinlich größte Coup. Muslic, auch mittels einer eigens entwickelten KI-Scouting-App (sprechen wir noch von S04?) auserkoren, hat das dahinsiechende Schalke wachgeküsst. Der Österreicher flüchtete als Kind mit seinen Eltern aufgrund des Krieges in seiner Heimat Bosnien nach Innsbruck.
Seine Lebensgeschichte, seine Haltung, sein Verständnis von „Maloche“ – das passt zum Ruhrpott wie die Faust aufs Auge. Mit seiner Art, Fußball „arbeiten“ zu lassen, hat er den Club aus der Opferrolle geholt. Wenn Schalke spielt, wird kein Ball verloren gegeben – und wenn er wieder zurückerobert ist, geht es mit Vollgas nach vorne. Schalke ist wieder da – und dieser Aufstieg ist auch für die Bundesliga ein Gewinn. So langsam erlangt sie ihre Strahlkraft zurück, die sie mit den Abstürzen der Traditionsclubs verloren hatte.