Zu seinen Aufgaben gehört das Bully: Lucas Thaler spielt Mittelstürmer. © DEB/City-Press
Garmisch-Partenkirchen – Die beiden Länderspiele mit Österreich gegen Deutschland – für Lucas Thaler persönlich sind sie ganz gut gelaufen. Zwei Tore bereitete er in Zell am See bei der 3:4-Niederlage in der ersten WM-Vorbereitungspartie vor. Selbst Torschütze war er dann zwei Tage später beim Rückspiel in Garmisch-Partenkirchen (2:5), außerdem wurde er als bester Spieler von Team Austria ausgezeichnet. Dieser Moment gehört dem Geehrten, die Zuschauer (über 5000) blicken auf einen, vernehmen den Namen – ein schönes Entree in das Land, in dem Lucas Thaler künftig spielen wird. Er ist ein Zugang beim EHC Red Bull München.
Die Verpflichtung eines neuen Spielers ist in der Regel mit Zuversicht bei den Fans verbunden, mit freundlicher Neugier oder im besten Fall mit Begeisterung. Bei Lucas Thaler ist das nicht der Fall. Die Kommentierung im zwischen Sachlichkeit und Toxik schwankenden Forum zum Münchner Eishockey war tendenziell negativ. Wenn man von einem Spieler noch keinen Live-Eindruck hat, wird in seine Daten eingetaucht. Der heute 24-jährige Mittelstürmer spielte seit 2021 für den EC Salzburg, erzielte pro Saison zwischen 13 und 18 Toren. Nicht schlecht, aber auch keine Spitzenwerte. Die Münchner Anhängerschaft glaubt, man brauche einen gnadenlosen Knipser – und wenn man schon eine der limitierten Importlizenzen vergebe, warum dann nicht an einen Kanadier, sondern einen Österreicher? Wobei: Kommt Thaler nach den Jahren im gemeinsamen Nachwuchsprojekt der Red-Bull-Clubs aus München und Salzburg quasi als Eishockey-Deutscher?
Auf Nachfrage unserer Zeitung klärt Lucas Thaler auf: „Ich werde Importspieler sein.“ Dass ihm erst einmal Skepsis entgegengebracht wird, nimmt er zur Kenntnis: „Es können nicht immer alle Fans von Anfang an auf deiner Seite sein.“ Dass sein firmeninterner Transfer eigentlich schon vor einem Jahr hätte stattfinden sollen (auch das wurde im Internet-Tratsch kolportiert), dementiert er: „Davon war nie die Rede.“ Irritieren dürften ihn die Vorab-Beurteilungen nicht. Er versichert: „Ich bin top motiviert.“ Er glaubt, es könnte seinen Einstieg in München erleichtern, „dass ich in Salzburg fünf Jahre das gleiche System gespielt habe“. Außerdem hat er beim Schwesterclub mit den jetzigen Münchnern Ryan Murphy, Phillip Sinn und Philipp Krening zusammengespielt und unter Oliver David, seit 2025 in München an der Bande, trainiert. Im SAP Garden weiß man, was man bekommt. Thaler selbst beschreibt sich als „Stürmer, der sehr viel Energie aufs Eis bringt und einen guten Schuss hat“. Gelernt hat er nicht nur an der Red-Bull-Akademie. Bevor der Villacher sich dieser anschloss, spielte er „drei Jahre in Schweden im Nachwuchs. Diese Zeit bereue ich auf keinen Fall.“
Bevor er sich weiter mit München befasst, beschäftigt Lucas Thaler die WM, bei der er mit Österreich im vorletzten Vorrundenspiel am 23. Mai auf Deutschland treffen wird. „Hauptziel ist der Klassenerhalt“, sagt er, „ob mehr drin ist, sehen wir dann.“ Es fehlen die NHL-Spieler: Marco Rossi (Vancouver) und Mario Kasper (Detroit) sind verletzt. „Schwer, wenn einem solche Spieler abgehen. Aber hilft nichts, müssen eben andere den Step nach vorne machen.“
Es gibt übrigens noch einen zweiten Thaler. „Ich habe einen Zwillingsbruder“, erzählt Lucas, „der hat auch Eishockey gespielt, aber den Sprung nicht geschafft. Jetzt ist er Schlosser.“ Der Vorname des Bruders lautet Tim – was Assoziationen weckt: „Timm Thaler“ heißt ein bekanntes Jugendbuch, vor fast 50 Jahren gab es dazu eine erfolgreiche Fernsehserie. Ob die Namensgebung mit einem Faible der Eltern für die Geschichte vom Jungen, der sein Lachen verkaufte, zu tun hatte? „Keine Ahnung“, sagt Lucas Thaler. Und lacht.GÜNTER KLEIN