PSG-Sechser Neves (li.) traf im Hinspiel per Kopf.
Harter Brocken: Olise duelliert sich mit Mendes. © IMAGO
Wenn einer weiß, wie’s geht, dann er: Thomas Müller hat in seiner Karriere neunmal gegen Paris Saint-Germain gespielt, davonsechs Partien gewonnen und nur drei verloren. Im Finale 2020, als die Münchner gegen PSG die Champions League gewannen, stand er 90 Minuten auf dem Feld – und absolvierte seinen letzten Einsatz im Bayerntrikot bei der Club-WM im vergangenen Sommer, natürlich, gegen Paris.
Man darf seiner Meinung also Gewicht schenken, wenn Müller nach dem Neun-Tore-Spektakel im Hinspiel prognostiziert: „Meine These: Im Rückspiel wird‘s anders“. Das schrieb die Vereinslegende in seinem Newsletter an seine Fans und erklärte auch, wieso: „Ab der 60. Minute haben beide das Ergebnis im Kopf, dann kommen auch die Anpassungen. Wer in Führung liegt, akzeptiert es, etwas tiefer zu verteidigen, und der andere übernimmt das Zepter. Diese Wechselwirkung wird das Rückspiel prägen.“
Müller glaubt dabei an ein erfolgreiches Comeback der Münchner: „5:4 ist kein Drama. Es gibt luxuriösere Situationen, klar. Aber Paris hat nur ein Tor Vorsprung, und das Rückspiel ist daheim“, erklärte er. „Mir hat die Bayern-Performance in Paris nochmal deutlich besser gefallen als in den Madrid-Spielen. Diese Konsequenz im eigenen Spiel und diese Überzeugung. Weil mental musst du so ein 5:2 erst einmal wegstecken.“
Die Elf von Vincent Kompany lag in Paris zwischenzeitlich mit drei Treffern zurück, korrigierte das Ergebnis aber dank zwei später Tore noch auf ein 4:5. „Die Bayern haben weiterhin ihr Spiel durchgezogen. Keine wilden Harakiri-Aktionen, sondern der selbstbewusste Drang nach einem Comeback.“
Daher kommt Müller zu dem Schluss: „Wenn Bayern noch mal 90 Minuten so spielt wie in Paris, dann geht das Ding mit einem oder zwei Toren Vorsprung für unsere Bayern aus.“
Doch worauf kommt es dabei an? Unsere Zeitung erklärt die wichtigsten Duelle:
Pavlovic gegen Neves: Das Mittelfeld wurde im Hinspiel weitestgehend übergangen, Kimmich und Pavlovic agierten – genau wie ihr Gegner-Pendant Vitinha und Neves – im Stil eines Quarterbacks, der das Spiel mit weiten Bällen von hinten organisiert. Hier müssen die Münchner Sechser ansetzen: Mehr Spielkontrolle verringert das Risiko von Pariser Kontern.
Olise gegen Mendes: Olise ist wenig überraschend für die Offensive entscheidend. Er nimmt aber auch eine wichtige Rolle für die Defensive ein: Je mehr er den schnellen Nuno Mendes bindet, desto weniger kann der Linksverteidiger selbst zu seinen gefürchteten Offensivläufen ansetzen.
Diaz gegen Zaire-Emery: Mit Rechtsverteidiger Achraf Hakimi fällt ein Schlüsselspieler von PSG aus. Ihn wird vermutlich das junge Talent Warren Zaire-Emery ersetzen, das weniger Erfahrung auf dem allerhöchsten Niveau hat. Hier bietet sich für Diaz die Chance auf Ballgewinne im Pressing.
Doué gegen alle: Der Flügelspieler lief nominell rechts vorne auf, wanderte im Hinspiel aber immer wieder auf die linke Seite oder ins Zentrum. Damit sollte er die Manndeckung der Münchner Defensive auseinanderziehen und Überzahlsituationen erzeugen – die gesamte FCB-Abwehr wird ihn in den Griff kriegen müssen, zur Not auch per Mann-Übergabe.V. TSCHIRPKE, M. BONKE. P. KESSLER