Hinspiel in Paris: Jamal Musiala im Duell mit PSG-Abwehrboss Marquinhos (li.). © Ena/dpa
München – Schon beim Hinspiel im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain nahm Serge Gnabry die beschwerliche Reise mit Krücken und Rollstuhl auf sich, um seine Teamkollegen vor Ort in der französischen Hauptstadt zu unterstützen. Beim 3:3 gegen Heidenheim am Samstag machte es sich der verletzte Offensivspieler sogar auf der Auswechselbank des FC Bayern bequem – sofern das mit einem Adduktorenausriss möglich ist.
Am Mittwoch im Rückspiel (21 Uhr, DAZN) ruhen die Hoffnungen erneut auf seinem Vertreter: Jamal Musiala. Nach seiner schweren Fußverletzung mit dem einen oder anderen (kalkulierten) Reha-Rückschlag sollte der 23-Jährige eigentlich langsam an die Mannschaft herangeführt werden. Doch seit dem Verletzungs-K.o. von Gnabry stand Musiala in den darauffolgenden Partien 286 Minuten auf dem Platz. Zum Vergleich: Michael Olise, Luis Diaz und Harry Kane kommen im gleichen Zeitraum jeweils auf 315 Einsatzminuten. Bleibt die Frage: Reicht die Power von Musiala für PSG?
Chefcoach Vincent Kompany und sein Trainerteam um Head of Performance Walter Gfrerer haben mit den Kräften des Ausnahmedribblers clever hausgehalten: Während er in den wichtigen K.o.-Duellen gegen Paris (79 Minuten) und im Pokal gegen Leverkusen (84 Minuten) beinahe über die gesamte Distanz auf dem Feld stand, spielte er in den vergangenen drei Bundesliga-Partien maximal 45 Minuten.
Fitnessmäßig sind die Rahmenbedingungen also gesetzt, nun warten die Münchner nur noch auf die magischen spielerischen Momente. Im Hinspiel gegen Paris und in der vergangenen Bundesliga-Partie gegen Heidenheim war davon (noch) nicht viel zu sehen. Sportvorstand Max Eberl mahnt zur Geduld: „Ich fand ihn gegen Paris nicht unauffällig. Er hat vielleicht nicht so brilliert wie die anderen, aber er hat unglaublich viel für die Mannschaft gearbeitet.“
Dieser Umstand sei etwas, dass die Bayern-Verantwortlichen laut Eberl bei Musiala unterstreichen: „Dass er ein Spieler ist, der sich immer wieder für die Mannschaft einsetzt und trotzdem Momente hat, die besonders sind. Er hat Minuten gesammelt und wird uns am Mittwoch helfen.“ Das sieht Lothar Matthäus ähnlich, wie er bei „Sky 90“ erklärte: „Jamal braucht Erfolgserlebnisse. Jetzt hat er sechs bis sieben Spiele gemacht, aber wo kam Musiala her vor eineinhalb Jahren vor seiner schweren Verletzung? Er war einer der besten Spieler der Welt. Und das erwarten wir halt wieder, aber das geht nicht so schnell.“ Der Rekord-Nationalspieler rechnet auch im Rückspiel nicht mit einer Musiala-Explosion: „Wenn du eine solche Verletzung hast, dann brauchst du das Vertrauen der Mannschaft, des Trainers sowieso, und das Vertrauen in deinen Körper. Ich glaube, dass Musiala in den nächsten Wochen wieder dahin kommt, wo er einmal war.“
Und was sagt der Spieler selbst? Nach dem 3:3 gegen Heidenheim wollte er beim Verlassen der Katakomben der Allianz Arena nicht sprechen. Seine letzte Aussage tätigte er unmittelbar nach dem 4:5 in Paris via Instagram: „Es ist noch nicht vorbei!“MANUEL BONKE, PHILIPP KESSLER, VINZENT TSCHIRPKE