München – Auf den Fußball-Mai ist auch dieses Jahr Verlass: Spannung bis zum Abpfiff der Saison. In der 3. Liga rangeln Cottbus und Duisburg um Platz zwei hinter Osnabrück, das den Aufstieg am Wochenende eingetütet hat. Essen hat zuletzt Federn gelassen, ist aber noch im Rennen. Und eine Liga höher? Da wird der Abstiegskampf zur Nervenprobe: Fürth, Düsseldorf und Braunschweig liegen punktgleich bei 34 Zählern. Drei Teams, ein Ziel – irgendwie überleben.
Es ist dieser permanente Alarmzustand, für den Trainer wie Markus Kauczinski leben. Für den TSV 1860 allerdings spielt sich das Drama längst auf einer anderen Bühne ab. Das 1:1 beim abgeschlagenen Tabellenletzten aus Schweinfurt passte ins Bild einer Saison, die früh in Richtung Mittelmaß abgebogen ist, mal wieder.
Das Etikett „Drittliga-Dino“ klebt wie Pattex. Der Altmeister von 1966 wirkt inzwischen wie ein Stammgast in seiner Boazn. Immer am gleichen Tisch, immer mit Blick auf die Tür. Und durch diese Tür kommen sie jedes Jahr aufs Neue herein: Aufsteiger mit frischem Mut, Absteiger mit großem Namen – alle mit Geschichten im Gepäck. Denn die 3. Liga erfindet sich jeden Sommer neu. Rund ein Drittel der Startplätze wird ausgetauscht. Darunter auch diesmal: viele alte Bekannte.
Der SV Meppen hat sich in der Regionalliga Nord durchgesetzt, Sonnenhof Großaspach im Südwesten. Zwei Namen, die vertraut wirken. Meppen, das 1860-Fans mit dem Durchmarsch in die Bundesliga verbinden, war letztmals 2022/23 in der 3. Liga dabei. Großaspach, der selbst ernannte „Dorfklub“ – unterstützt von Schlagersängerin Andrea Berg – ist noch drei Jahre länger raus und hat seither sogar eine Ehrenrunde durch die Oberliga Baden-Württemberg gedreht.
Im Westen führt Fortuna Köln vor Rot-Weiß Oberhausen. Traditionsreiche Namen. Fans in Giesing erinnern sich an den 11. Mai 2019, als Prince Owusu die Kölner per Kopfstoß in die Viertklassigkeit verabschiedete – und 1860 als Aufsteiger damit gerettet war. Oberhausen spielte nur ein Jahr 3. Liga (11/12) – damals waren die Löwen noch ein ambitionierter Zweitligist.
Spannung ist auch in der Regionalliga Bayern geboten: Die Würzburger Kickers, Gegner der Löwen im Totopokalfinale, haben wieder die Nase vorn. Dass Haching nicht hochwill und das erste Spiel nach dieser Nachricht verlor, erhöht die Relegationschance. Der Gegner? Noch offen. Carl Zeiss Jena hat die Form, Lok Leipzig verspielt gerade seinen Vorsprung.
Meppen, Großaspach, Fortuna Köln, Würzburg, Jena – ein bunter Mix aus Vergangenheit und Gegenwart, aus Nostalgie und Neustart. Und mittendrin die Löwen als Konstante wider Willen. Während andere Clubs auf ihren Reisen durch die Ligen Abenteuer erleben, setzt 1860 Drittliga-Patina an.
Derweil kündigt sich das nächste, wenig schmeichelhafte Jubiläum an: Im Mai 2027 werden es zehn Jahre ohne Zweitliga-Zugehörigkeit sein – länger als je zuvor in der Vereinsgeschichte.ULI KELLNER