„Wir sind noch nicht am Limit“

von Redaktion

Beach-Ass Wickler (31) über den neuen Olympia-Zyklus, Schulterprobleme und Weltstars in Ebersberg

Wickler und Ehlers mit der Olympia-Silbermedaille. © Vennenbernd/dpa

Spielte vergangene Saison mit Schulterproblemen: der gebürtige Starnberger Beachvolleyballprofi Clemens Wickler. © Stegemann/Imago

München – Er ist Deutschlands bester Beachvolleyballer. Gemeinsam mit seinem Partner Nils Ehlers holte Clemens Wickler 2024 Olympia-Silber. Im Juni macht der 31-jährige Starnberger zur Abwechslung in der Heimat Station – beim Beach-Spektakel in Ebersberg (www.beach-open-ebersberg.de).

Herr Wickler, die Beachsaison nimmt Fahrt auf. Ihr Team macht sich noch rar…

Ich habe die ganze letzte Saison mit Schulterproblemen gespielt, die ich so ein bisschen durchgeschleppt habe. Teilweise konnte ich gar nicht hart angreifen und musste mit links schlagen. Wir haben uns dann im Vorfeld der Saison 2026 dafür entschieden, die Problematik komplett auszukurieren, um das Problem wirklich in den Griff zu bekommen. Auch mit Blick auf die Olympia-Qualifikation für Los Angeles, die Ende des Jahres beginnt.

Wie ist der Stand?

Gut, ich habe das ja auch mit einem Spezialisten abklären lassen, der meinte, es sei eher ein funktionelles Problem. Ich habe viel im Kraftraum gearbeitet, viel Physiotherapie gemacht. Sieht gut aus, ich trainiere voll, greife auch wieder an. Wir wollen Ende Mai in Ostrau wieder einsteigen.

Zwei Wochen später treffen Sie in Ebersberg am 13./14. Juni auf die Besten der Welt.

Ja, das passt für uns perfekt. Eine richtig gute Standortbestimmung, auch vor der Europameisterschaft im August.

Stimmt es, dass Sie am Zustandekommen des Turniers mitgewirkt haben?

Naja, ein bisschen. Dieter Heidrich, einer der beiden Organisatoren, hat mich angesprochen. Ich habe das bei den internationalen Teams abgeklopft und gesehen: Sie sind offen. Aber ich finde das auch überragend, so ein Turnier in der Heimat zu haben. Wäre schön, wenn das zu einer regelmäßigen Sache wird.

Es trifft sich günstig, dass Beachvolleyball gerade „zieht“.

Absolut. Beachvolleyball funktioniert als Event – diese Mischung aus Hochleistungssport und der besonderen Atmosphäre am Court ist einzigartig. Man merkt, dass das Interesse wächst, nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Organisatoren und Sponsoren. Dass Weltklasseteams für ein Turnier nach Ebersberg kommen, zeigt, welchen Stellenwert wir uns erarbeitet haben.

In Ebersberg treffen Sie auch auf die Schweden Ahman/Hellvig, die in den vergangenen Jahren praktisch alles gewonnen haben. Kann man sich spielerisch Anleihen nehmen?

Die beiden haben Beachvolleyball verändert. Der schwedische Ansatz ist, das Spiel zu beschleunigen. Das ist ganz anders als bei Mol/Sörum, die vorher mit klassischem Spiel dominiert haben. Es wäre dumm, sich dem zu entziehen. Es muss halt zu den Spielertypen passen, deshalb versuchen wir, einen Mittelweg zu finden. Für Nils mit seiner Größe ist es weniger geeignet, mit Sprungpässen zu spielen.

Sie holten bei Olympia in Paris und bei der Europameisterschaft Silber. Schaut man Ihnen inzwischen auch genauer auf die Finger?

2022 hatten uns viele Teams noch nicht auf dem Zettel. Das hat sich schon verändert. Du merkst auch, dass mehr Teams mit uns trainieren wollen. Es ist viel leichter, Partner zu finden. Vor allem Olympia hat unseren Stellenwert verändert. Olympia ist das größte Event, das einfach über allem steht. Wenn du dort erfolgreich bist, dann wird das wahrgenommen. Das ist einfach so. Deshalb orientieren sich die meisten Teams in ihrer Arbeit an Olympia.

Sie auch – nach Paris kam relativ schnell die Entscheidung, dass Sie auch Los Angeles ins Visier nehmen wollen.

Wir haben uns bewusst dazu entschieden, diesen neuen Zyklus voll anzugehen, weil wir merken, dass wir noch nicht am Ende unserer Entwicklung sind. Die längere Pause jetzt war auch ein Investment in die nächsten Jahre. Wir wollen in Los Angeles sehen, ob wir diesen letzten kleinen Schritt nach ganz oben noch machen können. Wir haben auch unser Trainerteam noch einmal neu aufgestellt, arbeiten mit Grzegorz Fijalek und Helke Claasen. Der Antrieb ist definitiv da. Mal sehen, was möglich ist

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

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