LeBron James nannte Wembanyama ein Alien. © IMAGO
Eine neue Frisur gab es bei den Shaolin-Mönchen. © Insta
Duell mit dem Mentor: Victor Wembanyama (l.) räumt auch Rudy Gobert ab. © Gay/dpa
San Antonio/München – Auch an schwachen Tagen schreibt Victor Wembanyama Geschichte. Magere elf Punkte (dazu 15 Rebounds) standen am Ende für den Franzosen auf der Anzeigetafel. In einem Krimi gewannen die Minnesota Timberwolves Spiel eins der Conference Semifinals mit 104:102. Und doch redeten wieder alle über Wembanyama. Das 2,24 m große Defensiv-Monster. Mit 12 Blocks brach er einen jahrzehntealten Playoff-Rekord.
Schon in der regulären Saison hatte Wembanyama bewiesen, dass all die Loblieder, die über ihn gedichtet werden, nicht übertrieben sind. Als erster einstimmiger und jüngster Sieger jemals wurde er als bester Verteidiger der Liga ausgezeichnet. In der NBA, einer Liga voller athletischer Freaks, ist Wembanyama das Alien. Es wirkt wie in einem Videospiel, wenn er mit seinen riesigen Armen (Spannweite von 2,44 m) einen Wurf nach dem anderen blockt, den Ball über den Court treibt und dann auch noch von der Dreierlinie gefährlich ist.
„Ich glaube, Wemby ist der erste perfekte Big Man, den es je gegeben hat“, sagte Shaquille O’Neal: „Er kann werfen, trifft seine Freiwürfe, spielt starke Defense, spielt starke Offense und ist auch noch ein großartiger Teamplayer.“ Wenn selbst O’Neal, der als Center eine Urgewalt unter dem Netz war und jahrelang Verteidiger terrorisierte, so ins Schwärmen gerät, spricht das Bände.
Und das Alien hat sich weiterentwickelt. Da steht eine neue Version auf dem Parkett. Groß waren die Sorgen, als der Superstar im Februar 2025 die Diagnose einer tiefen Venenthrombose in der rechten Schulter erhielt. Erinnerungen wurden wach an Zion Williamson, der schon als Nachfolger von LeBron James in den Himmel gelobt wurde, aber immer wieder den Kampf gegen den eigenen Körper verliert. „Als ich von der Diagnose erfahren habe, bin ich zusammengebrochen“, sagt Wembanyama. Schon länger hatte er gemerkt, dass etwas nicht stimmt.
„Das All-Star-Spiel im vergangenen Jahr war das Schlimmste, was ich je auf einem Basketballfeld erlebt habe. Ich hatte vielleicht fünf Prozent Blutfluss in meinem rechten Arm. Eine Zeit lang habe ich mich völlig verletzlich und schutzlos gefühlt.“ Wembanyama nahm den Rückschlag als Herausforderung. Mithilfe der Spurs baute er sich ein medizinisches Expertenteam zusammen.
Und verbrachte im vergangenen Sommer zehn Tage in einem Tempel in China. In alter Shaolin-Tradition rasierte sich Wembanyama sogar die Haare ab. Kung Fu und Meditation, völlig isoliert von der Öffentlichkeit. Da ahnte die Liga schon: Wenn Wemby zurückkommt, dann mit voller Wucht.
In den Playoffs trifft er nun ausgerechnet auf Landsmann Rudy Gobert von den Timberwolves. Gobert nahm Wembanyama bereits vor zehn Jahren unter seine Fittiche, ist seitdem ein wichtiger Mentor für den Wunderknaben. Und könnte zum Stolperstein auf dem Weg Richtung Titel werden. Doch egal, wie die Serie ausgeht: Experten und Fans sind sich einig, dass Wembanyama die Zukunft gehört. Er wird zum Gesicht der Liga. Die NBA verkündete, dass Highlights von Wembanyama über eine Milliarde Aufrufe während einer Saison auf Social Media erzielen konnten. „Ich lerne noch. Für die kommenden Jahre sorge ich mich etwas um meine Gegner“, sagte Wembanyama einst. Die Playoffs werden zeigen, wie außerirdisch der 22-Jährige schon ist.NICO-MARIUS SCHMITZ