Die Retro-Sehnsucht des EHC

von Redaktion

Wie realistisch ist der Traum von der Rückkehr früherer Eishockey-Helden?

Gute Verbindungen nach München: Dominik Kahun, aktuell auch Kapitän der Nationalmannschaft. © DEB/City-Press

München – Die Fans in München hatten gehofft, geträumt, ein paar Tage ging das so – bis zur Nachricht: Es wird nichts mit einer Rückkehr von Brooks Macek zum EHC Red Bull.

Macek, Deutsch-Kanadier und Mitglied des Olympia-Silber-Teams 2018, hatte zwei Jahre (2016 bis 18) für München in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gespielt und mit insgesamt 57 Toren zu zwei Meisterschaften beigetragen. Seit 2019 stürmte Brooks Macek für den russischen Club Automobilist Jekaterinburg. Andere deutsche Profisportler kehrten dem Land mit dem russischen Einfall in der Ukraine (24. Februar 2022) den Rücken – Macek blieb ungerührt, verlängerte seinen Vertrag sogar noch einmal. Man könnte dieses Verhalten hinterfragen – tut im deutschen Eishockey aber niemand. Als der mittlerweile 33-Jährige nun Clubs der DEL angeboten wurde, reichten diese ihre Offerten ein. Den Zuschlag bekommt Vizemeister Adler Mannheim. München hat erneut einen Transferwettbewerb verloren. Als bitter wird empfunden: Auch die gemeinsame Geschichte ist kein Pluspunkt mehr in Vertragsverhandlungen.

Weil die schon länger zurückliegenden Zeiten (Meisterschaften 2016, 17, 18 und 23) glanzvoller waren als die Jahre danach, herrscht in München eine starke Retro-Sehnsucht, die sich in den Personaldiskussionen äußert, die das Umfeld führt. Wird Dominik Kahun (in München 2014 bis 18 und für ein Kurzgastspiel 2020/21 im MagentaSport-Cup) noch einmal das EHC-Trikot tragen? Kehren die Immer-noch-Youngster Maksymilian Szuber und Julian Lutz nach München zurück, wenn sie ihre NHL-Pläne nicht realisieren können?

Dominik Kahun steht beim HC Lausanne in der Schweiz unter Vertrag, ist aber häufig in München. Seine Frau stammt von hier, München ist folglich das Sommerdomizil. „Mit den Jungs vom EHC bin ich ständig in Kontakt“, sagt er offen. Um sich auf die WM vorzubereiten, erbat er Eiszeit im SAP Garden, sie wurde ihm gewährt – und die Münchner WM-Kandidaten (Kastner, Wagner, Sinn) stießen zum Training mit Kahun und seinem persönlichen Skills Coach dazu.

„Es ist kein Geheimnis, dass wir irgendwann nach Deutschland zurückkehren wollen“, erläutert Kahun die Zukunftspläne seiner Familie. Er ist jetzt 30 und hat noch ein Vertragsjahr in der Schweiz vor sich. „Dann werden wir sehen.“ In München wird spekuliert, dass es für Dominik Kahun als Importspieler in der anspruchsvollen Schweiz ungemütlich werden könnte, weil sein Scoring-Ertrag gesunken ist. Er selbst sieht es so, „dass ich dabei bin, ein kompletter Spielertyp zu werden, der vorne wie hinten zu finden ist – der defensive Teil meines Spiels wurde bislang unterschätzt, sagen meine Trainer“.

Maksymilian Szuber (23) und Julian Lutz (22) sind ihrem alten Verein, mit dem sie 2023 Meister wurden, immer noch freundschaftlich verbunden, im Sommer waren sie Trainingsgäste beim EHC. Beide spielen sie bei den Tucson Roadrunners, dem Farmteam des NHL-Clubs Utah Mammoth – und ihre Karrieren wirken in der AHL festgefahren.

Verteidiger Szuber durfte in drei Jahren ein einziges NHL-Match bestreiten, diese Saison erhielt er wieder einen Call nach Utah, aber letztlich nicht die ersehnte zweite Chance. Stürmer Lutz ist vom Durchbruch noch viel weiter entfernt. Groß verdient haben beide noch nicht: Die Verträge sehen Saison-Grundgehälter von 80.000 (Szuber) und 82.500 (Lutz) vor, dazu kamen jährliche Bonuszahlungen von 85.000 (Szuber) und 95.000 (Lutz). Der Vertrag von Lutz läuft noch ein Jahr, Szuber wird vertragsfrei. Was sie in Amerika brutto kriegen, wäre in der Nettoliga DEL auch drin – allerdings: Mit einem Platz in der NHL würden sich die Einkünfte verfünffachen. Diese Option aufzugeben, wäre noch zu früh.

Daher: München wird warten müssen.GÜNTER KLEIN

Artikel 11 von 11