ZUM TAGE

Eine defensive Taktik wäre das größte Risiko

von Redaktion

Die Fußballwelt staunte nach dem Hinspiel nicht schlecht: neun Tore, Chancen im Minutentakt, dazu 22 Top-Athleten auf dem Feld, die 90 Minuten lang von einem Tor zum anderen sprinteten – und technisch trotzdem hervorragend spielten.

Das war Fußball in einer neuen Dimension, der viel Lob von den Fans, aber auch Kritik von einigen Experten auf sich zog. Man kann diese Herangehensweise spektakulär nennen, man kann sie aber auch als zu risikoreich bezeichnen, so lautete die Begründung von Wayne Rooney oder Clarence Seedorf. Und in der Tat klangen die letzten Ergebnisse des FC Bayern – 3:3, 5:4, 4:3, 2:0, 4:2, 4:3 – mehr nach Eishockey als nach europäischem Spitzenfußball.

Trotzdem verteidigten die Münchner zuletzt unisono ihre Spielweise, die für derart torreiche Partien sorgt: Warum sollte man ausgerechnet vor dem bislang wichtigsten Spiel der Saison die Taktik ändern, die einen bisher so erfolgreich gemacht hat? Und damit haben sie recht. Denn im Fußball herrscht der weitverbreitete Irrglaube, dass eine offensive Spielweise „riskant“ und eine defensive Spielweise „sicher“ wäre. Nur an den eigenen Torerfolg zu denken, anstatt an die gegnerische Torvermeidung, würde keinen Titel gewinnen. Man kann diese Argumentation aber auch umdrehen: Was gibt es Riskanteres, als dem Gegner den Ball und damit die Spielkontrolle zu überlassen und schlicht darauf zu hoffen, dass man selbst durch einen Konter zum Torerfolg kommt?

Das bayerische Selbstbewusstsein ergibt deshalb Sinn. Nun treffen sie im Rückspiel auf die schwierigste Prüfung, die der europäische Fußball zu bieten hat. Und weil Paris ebenfalls offensiv denkt, erwartet die Fans wohl auch im heutigen Rückspiel ein echtes Spektakel. Ob die Bayern erfolgreich sind und ins Finale einziehen, wird nicht von der Taktik abhängen, sondern davon, wer weniger Fehler macht. Diese werden auf dem Niveau nämlich konsequent bestraft.

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