Kiefersauer klopft bei Kauczinski an

von Redaktion

Der nächste Junglöwe startet durch – Bei der U 21 glänzt der Kapitän als schlauer Stratege

Siegertyp: Als Kapitän führte Blondschopf Xaver Kiefersauer (M.) die U 11 der Löwen zum Gewinn des Merkur CUP. Schon damals an seiner Seite: Sean Dulic (lange schwarze Hose, 2.v.r.). © Klaus Haag

„Mit ihm muss man rechnen“: Kauczinski über U 21-Kapitän Xaver Kiefersauer, der aktuell mit den 1860-Profis trainiert. Nach Informationen unserer Zeitung laufen Gespräche über eine Vertragsverlängerung. © IMAGO / U. Wagner

München – Am Dienstagabend traten die Bayernliga-Löwen beim FC Gundelfingen an – ohne ihren Besten. Xaver Kiefersauer hatte bereits bei der Heimniederlage gegen Sturm Hauzenberg gefehlt. Nicht etwa, weil der 20-Jährige wieder angeschlagen wäre. Sondern weil er plötzlich woanders gebraucht wird: oben.

Beim 1:1 in Schweinfurt feierte der Kapitän der Zweiten seine Premiere bei den Drittliga-Profis – 14 Minuten, die sich sehen lassen konnten. Kein Abtasten, kein Zaudern: Kiefersauer fügte sich sofort ein, setzte einen klugen Vertikalpass, der zeigte, was ihn auszeichnet. Übersicht, Timing, Spielintelligenz. Ein Sechser, der denkt – und lenkt.

Dass Cheftrainer Markus Kauczinski ihn längst auf dem Zettel hat, überrascht nicht. Schon Anfang März, nach Kiefersauers Comeback gegen Schwaig (3:0), schwärmte der Glöckner-Nachfolger: „Ich habe ihn jetzt zum ersten Mal gesehen. Er war ja länger verletzt. Vorher haben schon alle gesagt, das ist ein Guter, den müssen wir im Blick haben.“ Im ersten Spiel nach seinem Knöchelbruch glänzte der Sechser gleich als Doppeltorschütze. „Es war ein guter Auftritt“, fuhr Kauczinski fort: „Nicht nur wegen seiner zwei Tore hat er gezeigt, dass er jemand ist, mit dem man rechnen muss. Wir beschäftigen uns mit ihm, hoffen, dass er verletzungsfrei bleibt und einen Rhythmus bekommt. Dann ist er natürlich ein Kandidat, sowohl kurz-, mittel-, als auch langfristig.“

Klingt nach Perspektive. Und die hat sich Kiefersauer hart erarbeitet. Schon als Fünfjähriger war er Vereinsmitglied bei 1860 – beim Kinderturnen. Als Fußballer wurde er später in Harlaching entdeckt, bei den „Sportfreunden“ in der Säbener Straße, quasi im Hinterhof des FC Bayern. Die U 11 der Löwen führte er auf Anhieb zum Gewinn des Merkur CUP – gemeinsam mit Teamkollege Sean Dulic, heute ebenfalls bei den Profis. Ein Anführer, früh gereift. Auch abseits des Platzes: Abi-Schnitt 1,7 am Theodolinden-Gymnasium, inzwischen VWL-Student an der LMU. Einer, der was im Kopf hat – und im Fuß.

Auf dem Rasen ist Kiefersauers Wert sogar messbar: Bei vier der nur fünf Niederlagen von 1860 II fehlte er – und bei der fünften verletzte er sich früh. Ohne den Taktgeber im Zentrum ist das Team schwächer.

Dabei stand seine Karriere zwischenzeitlich auf der Kippe. Die alte Sportliche Leitung sah für ihn keine schnelle Profiperspektive – und blockierte gleichzeitig einen Wechsel zum Regionalligisten Illertissen. Eine Sackgasse, die sich nun als Umweg entpuppt. Mit Ex-NLZ-Chef Manfred Paula auf dem Chefsessel und Kauczinski an der Seitenlinie haben sich die Vorzeichen gedreht.

Und der Umbruch ist alternativlos. Der Etat schrumpft, 1860 muss sparen. Der Nachwuchs rückt zwangsläufig in den Fokus. Kiefersauer ist bereits das neunte NLZ-Talent mit Profi-Minuten in dieser Saison – und einer der spannendsten Fälle.

Sein Vertrag läuft Ende der Saison aus, doch die Zeichen stehen auf Verlängerung. Andere Clubs haben längst angeklopft – aber 1860 will den hochbegabten Nachwuchsstrategen halten, die Gespräche laufen. Aus gutem Grund. Kapitän Thore Jacobsen geht, Philipp Maier und Tunay Deniz bleiben als Platzhirsche. Dahinter? Viel Raum für Jugendstil. Für Spieler wie Kiefersauer. Gemeinsam mit Samuel Althaus, Loris Husic oder Damjan Dordan soll er in der kommenden Saison das Löwen-Mittelfeld prägen.

Für Kiefersauer könnte jetzt alles ganz schnell gehen. Auch am Samstag, im Heimspiel-Finale gegen Ingolstadt, wird er im 20er-Kader erwartet. Sein erster Profivertrag winkt. Der einzige Verlierer: die Zweite – wohl auf Dauer.ULI KELLNER

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