Ring frei, Runde zwei

von Redaktion

Bayern sieht sich gegen Paris trotz der Halbfinal-Hinspielpleite im Vorteil – auch dank der eigenen Fans

Michael Olise (l, Bayern München) und Marquinhos (Paris Saint-Germain) kämpfen um den Ball. © Federico Gambarini/dpa

Zurück an der Seitenlinie: Coach Vincent Kompany.

Willian Pacho und Luis Díaz (re.) werden sich auch heute nichts schenken. © Gambarini/dpa, Badra/EPA

500.000 Ticketanfragen haben die Bayern bekommen – 75.000 werden die Münchner in der Allianz Arena unterstützen. © Feil/Imagi

München – Ziemlich genau 24 Stunden vor Anpfiff des Halbfinal-Rückspiels in der Champions League gegen Paris Saint-Germain meldete sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern auf der Vereins-Homepage zu Wort. „Wir brauchen am Mittwoch jede Stimme. Wir brauchen 100 Prozent Mia san Mia, den vollen Zusammenhalt unserer Bayern-Familie und möglichst alle in Rot“, appellierte Jan-Christian Dreesen und nahm die Fans im Stadion in die Pflicht: „Die Mannschaft hat in Paris gezeigt, dass sie Rückschläge wegstecken kann und immer weitermacht. Die Allianz Arena ist schwer zu stürmen – und genau das soll Paris vom Anpfiff an zu spüren bekommen.“

So wie im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid. Damals war die Südkurve in eine spektakuläre Choreografie gehüllt. „Was ich am meisten spüre, ist diese besondere Atmosphäre. Gegen Real waren noch einmal alle präsenter. Es gibt einen extremen Push, das darf man nicht unterschätzen, wenn das ganze Stadion hinter uns steht“, erinnert sich Abwehrspieler Jonathan Tah.

Auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß glaubt fest an den Einzug ins Endspiel am 30. Mai in Budapest. „Das Momentum liegt beim FC Bayern, nicht bei Paris“, stellte der Bayern-Patron bei DAZN klar – auch wegen des Heimvorteils. Denn: Der 74-Jährige spürt, wie die ganze Stadt auf das Duell hinfiebert. „Wo immer du hinkommst, wirst du auf dieses Spiel angesprochen“, sagte er und berichtete von einem Essen mit seiner Ehefrau Susi, bei dem er auf den Kracher angesprochen worden sei: „Das ist schon etwas ganz Besonderes.“

Mehr noch: Hoeneß hat „zum ersten Mal das Gefühl, dass unser Publikum eine wirklich große Hilfe ist“. Schon beim Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid (4:3) sei die Stimmung „Wahnsinn“ gewesen. „Und genau das ist ein Vorteil für uns, der eine ganz große Rolle spielen kann.“ Ein erneutes Spektakel erwartet er nicht: „Nein, das wird es nicht geben. Aber es wird vielleicht ein 3:1 oder ein Unentschieden, wenn wir ausscheiden sollten. Aber wenn wir gewinnen, dann glaube ich nicht, dass da vier, fünf Tore fallen.“ Wichtig sei, dass die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany beim Versuch, den Rückstand aus dem ersten Vergleich wettzumachen, „nicht hektisch“ werde.

Der neue Trainerstar Kompany und der hochdekorierte Champions-League-Sieger Luis Enrique auf der Gegenseite werden allerdings kaum zurückweichen und ihre Philosophie verraten. „Die Mission ist, Spiele zu gewinnen. Wir haben Ideen, von denen wir glauben, dass sie uns dabei helfen. Es geht nur darum“, sagte der 40-jährige Belgier und meinte: „Wir haben gezeigt, dass wir viele Spiele gewinnen können, PSG hat das auch gezeigt. Am Ende musst du einfach ein Tor mehr als dein Gegner erzielen.“

Bayerns Final-Hoffnungen ruhen auf dem furiosen Angriffstrio Kane (54 Tore), Díaz (26) und Olise (21), das in 51 Saisonspielen auf exakt 101 Treffer kommt. Paris und Bayern sind mit 43 bzw. 42 Toren die Teams mit den meisten Treffern im laufenden Wettbewerb.

Die Offensive hat einen großen Anteil daran, dass die Münchner nur einen Schritt vom Endspiel entfernt sind. Kompany erinnert sich: „Zu Beginn der Saison haben nicht viele geglaubt, dass wir noch eine Chance haben würden, das Finale zu erreichen – aber jetzt sind wir hier, wir haben viele besondere Momente erlebt.“ Für den nächsten sind alle bereit.MANUEL BONKE, HANNA RAIF

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