Wie Russland Schachtar kopiert

von Redaktion

Donezk – Orange-schwarze Trikots, gekreuzte Hämmer im Wappen, der Name Schachtor Donezk: Was nach Schachtar Donezk und Conference-League-Halbfinale klingt, wird derzeit auch in Russlands vierter Liga geboten. Denn während der Original-Club aus der Ukraine am Donnerstag (21 Uhr) gegen Crystal Palace um ein europäisches Endspiel kämpft, existiert parallel ein Klon. Und nicht nur das: Auch andere Vereine aus den besetzten Gebieten werden vom Kriegsgegner kopiert.

Ukraines Fußball-Verband hatte frühzeitig bei der UEFA protestiert. Das neue Schachtor verwende „Name und Identität des echten Schachtar ohne legitimes Recht“, hieß es in dem Schreiben. Russland verfolge einen „Versuch, die Besatzung zu legitimieren und die Identität des ukrainischen Fußballs auszulöschen.“ Als die Liga im März startete, war die Kopie trotz des Protestes dabei.

Schachtar ist kein Einzelfall. In der russischen Division B, Gruppe 1 spielt auch „Sorja Luhansk“, eine weitere Kopie eines ukrainischen Erstligisten. Auch der FK Sewastopol, Nachfolger des inzwischen aufgelösten ukrainischen Clubs von der besetzten Halbinsel Krim, tritt dort an.

Gespielt wird im Fall von Schachtor nicht in Donezk. Der neue Club trägt seine Heimspiele in der russischen Stadt Taganrog aus, 120 Kilometer südöstlich. „Sobald es die Umstände zulassen“ wolle der Verein aber in die vom Krieg beschädigte Donbass-Arena umziehen, sagt Clubpräsident Igor Petrow.

Jener Petrow war ein Fußball-Held der Ukraine, erster Kapitän nach der Unabhängigkeit. Mit Kriegsbeginn wechselte er die Seiten, obwohl er lange das Trikot des ukrainischen Schachtar getragen hatte. „Ich freue mich, dass mein Heimatverein wieder im russischen Fußball spielt“, sagt er heute.

Etwa 500 Zuschauer kommen in Taganrog zu den Heimspielen, auch eine aktive Fanszene gibt es. Trikots, Gesänge und Fahnen erinnern an das „echte“ Schachtar. Als Gründungsjahr gibt der Verein 1936 an, auf der Homepage wird der Triumph im sowjetischen Pokal 1961 als Erfolg aufgeführt. Auffällig: Die Zeit der ukrainischen Unabhängigkeit und damit auch der UEFA-Pokal-Triumph 2009 wird ausgespart. Unter der Überschrift „Modernes Schachtor“ heißt es, der Club sei „überzeugt, dass der Frieden nach Donezk zurückkehren wird“.

Auch das echte Schachtar hofft auf Frieden – und eine Rückkehr in die Donbass-Arena. Aktuell ist das polnische Krakau die sportliche Heimat des Renommierclubs – das Hinspiel gegen Crystal Palace ging dort mit 1:3 verloren.SID

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