Da legst di nieder: In der Saisonendphase scheint Xavier Rathan-Mayes (am Ball) seine Topform zu erreichen. © Haist/IMAGO
München – In der Schlussminute des Duells mit Rasta Vechta hat Xavier Rathan-Mayes sein Herz noch einmal in beide Hände genommen. Der Guard der Basketballer des FC Bayern dribbelte den Ball noch einmal, streichelte ihn dann sanft in Richtung Korb – und die Kugel flutschte wie an der Schnur gezogen durch die Reuse. Der Moment, in dem Rathan-Mayes und seine Bayern den Deckel auf ein lange quälendes Duell setzten.
Die Wortspiele ließen nicht lange auf sich warten. Vom „X-Faktor“ war schnell die Rede. Liegt ja auch nahe bei einem Mann, den sie im Mannschaftskreis nur „X“ nennen.
In der Tat scheint Xavier Rathan-Mayes auf der Zielgeraden der Saison genau zu dem Spieler zu werden, den sich viele bei den Bayern bereits zu Saisonbeginn von ihm erhofft hatten. Trainer Svetislav Pesic setzt inzwischen klar auf ihn – und das dürfte auch am Donnerstag in Ludwigsburg (18.30 Uhr) im vorletzten Hauptrundenspiel wieder der Fall sein.
„Er hat sich entwickelt“, sagte der 76-Jährige. Hinter den vielen missglückten Aktionen, dem Festdribbeln und den Fehlwürfen hatte Pesic offenbar früh die Vielseitigkeit des Kanadiers erkannt, die den Bayern noch wertvolle Dienste leisten kann.
Allerdings hat Rathan-Mayes auch gelernt, dass Pesics Zuneigung durchaus wehtun kann. Der Serbe ist ganz anders als der eher Guru-artige Gordon Herbert, der ihn im Sommer nach München holte. „Coach Pesic kann laut und sehr hart sein, definitiv ein General“, sagte der Guard, „aber wenn du es annimmst, dann kannst du viel profitieren.“ Ihm fiel das nicht schwer, wie er erzählte: „Ich bin mit einem Vater aufgewachsen, der genauso war.“
Dabei ist dieser Xavier Rathan-Mayes auch kein Mann für negative Gedanken. Der 32-Jährige ist tiefgläubig. „Ich weiß, dass alles, was ich erlebe, ein Teil von Gottes Plan ist“, sagt er. Genau diesen Hinweis hat ihm auch seine Frau Rachelle in den schwierigeren Momenten dieser Saison – und noch mehr in der holprigen letzten bei Real Madrid – immer wieder gegeben: „Alles passiert so, wie es passieren soll.“
Und nun scheinen sich die Dinge für ihn tatsächlich zum Guten zu wenden. Weil den Bayern zuletzt zunehmend die Spielgestalter abhanden kamen – zuletzt konnte auch Justus Hollatz wegen einer Schulterblessur nicht eingreifen – hat er sich auch auf der Kreativposition versucht. Zunehmend erfolgreich. Am Sonntag gegen Vechta war er mit seinen acht Assists der Mann, der Wege fand und die müden Münchner auf Kurs brachte.
So soll es weitergehen. Rathan-Mayes will „alles geben“, damit es in den, kommende Woche beginnenden Playoffs zu den neun Siegen reicht, die zum Titel fehlen. Es würde sein Münchner Kapitel abrunden, er hat sich in die Stadt und den Verein verliebt. Aber es würde auch seiner wechselvollen Karriere eine Krone aufsetzen. Mit Real Madrid war er zwar im vergangenen Jahr spanischer Meister. Doch viel beitragen durfte er zum Titelgewinn nicht. „Das würde mir wahnsinnig viel bedeuten, wenn es diesmal anders wäre.“
Er wird sein Herz dafür auch ganz gewiss in beide Hände nehmen.PATRICK REICHELT