Der letzte Sticker im Panini-Album

von Redaktion

Nach einer Nervenschlacht träumen die Füchse Berlin von Europas Krone

Gibt es die Krönung in Köln? Berlin steht im Final Four der Champions League. © Gora/dpa

Berlin – Als es vollbracht war, sank Mathias Gidsel auf die Knie und verschwand Sekundenbruchteile später unter einem Jubelberg seiner Mitspieler. Olympiasieger ist der Däne, führte sein Team zur Welt- und Europameisterschaft – doch solch einen Moment hatte der Welthandballer der Füchse Berlin in seiner von Titeln und Triumphen gespickten Laufbahn noch nie erlebt.

Er habe in seiner gesamten Karriere noch keinen Siebenmeter geworfen, sagte Gidsel nach dem dramatischen Einzug ins Final Four der Champions League (13./14. Juni in Köln): „Das war mein erster und dazu noch ein entscheidender.“

Und ob: Mit dem letzten von zehn Würfen im finalen Shootout entschied Gidsel den Krimi gegen Veszprem (35:33 nach Siebenmeterwerfen) – und lässt Berlin weiter vom Premierentitel in der Königsklasse träumen. „Wenn alle gesund bleiben, haben wir jetzt die große Chance auf den letzten Sticker in unserem Panini-Album“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning: „Verantwortlich dafür ist das gute Klima im Team und die unglaubliche Gemeinschaft. Jeder ist für den anderen da.“

Die Sehnsucht in der Hauptstadt ist riesig. Vor dreieinhalb Wochen haben die Berliner den DHB-Pokal gewonnen, sie wurden in der vergangenen Saison erstmals deutscher Meister, haben schon den Weltpokal stemmen dürfen – doch der Triumph in der Königsklasse fehlt. Wohl auch deshalb wirkte Gidsel, der durch seine elf Tore am Mittwochabend mit nun 144 Saisontreffern ganz nebenbei auch den Champions-League-Rekord seines Landsmannes Mikkel Hansen (141 Tore für Paris Saint-Germain in der Saison 2015/16) einkassierte, vor allem erleichtert. „Wir standen letztes Jahr im Finale und haben es nicht gepackt. Wir haben uns fest auf die Fahne geschrieben, das zu wiederholen und diesmal mit dem Titel zurückzukommen“, sagte Nationalspieler Tim Freihöfer. Der Blick seines Teams geht am Freitag zur Auslosung in der EHF-Zentrale nach Wien: Mögliche Halbfinal-Gegner sind die Dänen von Aalborg HB mit DHB-Spielmacher Juri Knorr und Rekordchampion FC Barcelona. Zudem kann es zu einem Duell mit dem Sieger der Partie des SC Magdeburg gegen Pick Szeged kommen.

Soweit mochte Hanning noch gar nicht denken. Dem Klubchef steckte am Morgen danach noch die ungeheure Anspannung in den Gliedern. Das Adrenalin hatte Hanning um den Schlaf gebracht, den entscheidenden Gidsel-Treffer schaute er sich erst im Nachgang auf Video an. „Es ist leichter, italienischer Nationaltrainer zu sein als Füchse-Geschäftsführer, wenn man nur auf der Tribüne sitzen kann und machtlos ist“, sagte der 58-Jährige. Vom Ausgang eines solchen Spiels hänge einfach „so viel ab“.

Schon am Sonntag (15.00 Uhr/NDR und Dyn) wartet auf Gidsel und Co. das nächste Highlight. Im Liga-Spiel beim Fünften THW Kiel geht es für den Dritten um die Chance auf Platz zwei. Jenen Platz also, der am Ende der Saison einen Königsklassen-Startplatz in der nächsten Spielzeit garantiert. Das Spiel sei genau deswegen „von elementarer Bedeutung“, sagte Hanning.SID

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