Laut Regel war das Handspiel von Neves kein Elfer. © DAZN
Entscheidende Szene: Nuno Mendes hätte nach dem Handspiel Gelb-Rot sehen müssen. Der Schiedsrichter sah ein Handspiel von Konrad Laimer. © Szilagyi/EPA
Der Frust am Mittwochabend war riesengroß. Dieses Ausscheiden gegen Paris Saint-Germain fühlte sich für den FC Bayern nämlich nicht nur enorm bitter an, es hatte aufgrund der Entscheidungen von Schiedsrichter João Pinheiro auch einen faden Beigeschmack: Der Unparteiische entschied nämlich in gleich drei kniffligen Szenen zugunsten von PSG und gegen die Münchner. Doch mit welcher Entscheidung lag er dabei richtig – und mit welcher falsch?
23. Minute: Abseits von Kane: Schiri Pinheiro pfiff einen aussichtsreichen Angriff von Kane wegen Abseits ab, anstatt den Angriff laufen zu lassen, um im Falle eines Tores den VAR checken zu lassen. So sollte eine solche Szene jedoch eigentlich gehandhabt werden. Außerdem pfiff Pinheiro auf Abseits ohne Signal seines Linienrichters. Ein klarer Fehler – allerdings hatte Kane auch noch PSG-Verteidiger Pacho vor sich.
29.: Gelb-Rot für Mendes: Der Aufreger der Partie: Nuno Mendes hätte für ein Handspiel Gelb-Rot sehen müssen, Schiri Pinheiro pfeift aber ein vermeintliches Handspiel von Konrad Laimer zuvor. ZDF-Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer sagt dazu: „Man hat eindeutig gesehen, dass der Ball bei Laimer nicht an die Hand ging. Dementsprechend hätte es in der Folge eine Gelb-Rote Karte für Mendes geben müssen. Das ist eine klare Fehlentscheidung.“ Besonders bitter an der Szene: „Bei einem Ausschluss für Mendes hätte Bayern rund eine Stunde lang in Überzahl gespielt. Für die Münchner war diese Fehlentscheidung fatal. Daher kann man nicht von einer guten Leistung des Schiedsrichters sprechen.“ Allerdings liegt der Fehler hier nicht allein bei Pinheiro, sondern auch in der aktuellen Regel, wann sich der Videobeweis einschalten darf: „Bei einem Foul- oder Handspiel im Mittelfeld greift der VAR nicht ein. Er darf sich aktuell nur bei groben Vergehen, wie Elfmeter oder Roter Karte, einschalten. Erst ab Sommer wird eine Gelb-Rote Karte überprüft.“
31.: Möglicher Elfer: PSG-Sechser Vitinha schoss seinem Mitspieler Joao Neves im eigenen Strafraum den Ball an den Arm – ein klarer Elfmeter, oder? Laut Regelwerk nicht: „Im Englischen spricht man von einer Teammate-to-Teammate-Situation. Hier wurde Neves im Strafraum von seinem Mitspieler angeschossen“, erklärt Kinhöfer. „Er hat keine Intention, den Ball, der weg vom eigenen Tor ging, aufzuhalten. Daher ist diese Aktion nicht strafbar.“ Mit Blick auf das Hinspiel, wo Alphonso Davies einen Handelfmeter gegen sich gepfiffen bekam, ist diese Auslegung für den FC Bayern extrem bitter – aber korrekt.
Fazit: Auch, wenn der nicht gegebene Elfmeter regeltechnisch richtig war, wurde der FCB um eine gute Torchance durch Kane und vor allem um eine Stunde in Überzahl beraubt. Gerade diese Fehlentscheidung ist auf diesem Niveau mehr als ärgerlich – denn die Gelb-Rote Karte für Mendes hätte vermutlich das gesamte Spiel zugunsten der Münchner verändert. Schiedsrichter Pinheiro machte dabei eine sehr unglückliche Figur, erhielt aber vom VAR auch kaum Hilfe. Und seine Ansetzung könnte zumindest hinterfragt werden – schließlich hat er bislang wenig Erfahrung: „Es ist mindestens erstaunlich, dass ein Schiedsrichter mit nur 15 Champions-League-Einsätzen so ein Spiel leiten darf“, erklärte daher auch CEO Jan-Christian Dreesen. „Und das erklärt dann vielleicht auch so manchen Pfiff.“V. TSCHIRPKE, P. KESSLER, M. BONKE, H. RAIF