München – Wie anstrengend es sein muss, während eines Champions-League-Halbfinals Ehefrau eines Torhüters zu sein, konnte man am Mittwoch an Anika Neuer sehen. Denn die 90 Minuten beim 1:1 des FC Bayern waren für die Ex-Handballerin eine Achterbahn der Gefühle. Immer wieder sprang sie auf, zeigte ihren Unmut gegen den Schiedsrichter, stimmte bei den Gesängen aus der Kurve ein, ärgerte sich, klatschte, atmete tief durch. Aber sechsmal konnte sie ihrem Manuel auch einfach zujubeln. Genauso oft nämlich war der 40-Jährige gegen den PSG-Sturm zur Stelle und hielt sein Team im Spiel. Teils Weltklasse – aber: vergeblich.
Richtig gut gelaunt war der Kapitän daher nicht, als er nach dem Aus vor die Mikrofone trat. Zwar war die Situation eine gänzlich andere als nach dem 5:4 in der Vorwoche in Paris, wo Neuer fünf Gegentreffer kassiert, aber keine einzige Parade gezeigt hatte. Und trotzdem muss man auch als gestandener Spieler und zweifacher Triplesieger bittere Momente wie diese erst mal verdauen. Die Antwort auf die Frage, ob der Abend ein guter wäre, um über die anstehende Zukunftsentscheidung zu sprechen, kam also prompt. „Das ist nicht der richtige Abend“, sagte Neuer – und entgegnete auf Nachfrage zum Besuch seines Beraters Thomas Kroth vergangene Woche an der Säbener Straße: „Wir kennen uns über die Jahre. Ich bin seit 2011 da. Da kann man auch mal einen Kaffee trinken.“
Ein Gag, über den keiner so wirklich lachte. Auch wenn er gut zur Schweigetaktik passt, die Neuer und der Verein unisono bedienen. Max Eberl hatte letzte Woche bekanntlich davon gesprochen, dass Kroth „Tickets für Paris“ geholt habe: „Also er wird da sein im Stadion.“ Und so sah der Neuer-Berater wie viele andere, dass sein Klient es nach wie vor draufhat. Schon in der ersten Halbzeit war er gegen Neves blitzschnell, später wehrte er Schüsse von Doué (56./64.) und Kvaratskhelia (57.) ab. „Das Gute“, sagte er, „war, dass das Gegentor früh war. Wir hatten genug Zeit, einen Schlüsselmoment zu kreieren.“ Aber die Sicherheit, die Neuer hinten ausstrahlte, wurde vorn vermisst. So muss man 2027 einen neuen Anlauf nehmen. Mit Neuer?
Die Tendenz geht inzwischen klar zur Verlängerung. Ein finales Angebot soll es dem Vernehmen nach bisher nicht geben, aber die wichtigen Rahmendaten. Der nächste Kaffee steht bald an. Und Anika Neuer kann bis dahin durchatmen.H. RAIF, M. BONKE