Respekt: Dreesen und Al-Khelaifi schätzen sich. © bok
Außer Rand und Band: Kompany am Rasenrand. © Weller/dpa
Nur schwer zu stoppen: Noch ist es Kimmich und Co. nicht gelungen, PSG (Doue) aufzuhalten. Aber wer weiß, was nächstes Jahr passiert? © SZILAGYI/epa
München – Ungewöhnliche Szenen spielten sich nach dem 1:1 (0:1) des FC Bayern im Rückspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Paris Saint-Germain in den Katakomben der Allianz Arena ab: Plötzlich herzten sich die beiden Club-Bosse Jan-Christian Dreesen und Nasser Al-Khelaifi vor laufenden Kameras innig und überschlugen sich mit gegenseitigen Komplimenten. Der Münchner Vorstandschef wünschte dem PSG-Präsidenten das Allerbeste für das Endspiel gegen den FC Arsenal: „Jetzt müsst ihr es machen!“ Al-Khelaifi antwortete in die Mikrofone: „Er ist ein wahrer Gentleman!“ Nur wenige Minuten später verließen Bayern-Innenverteidiger Dayot Upamecano und PSG-Angreifer Ousmane Dembélé Arm in Arm das Fröttmaninger Stadion.
Den bayerischen Frust über den bitteren Königsklassen-K.o. bekamen an diesem Abend definitiv nicht die Pariser Protagonisten ab. Stattdessen blicken die Münchner schon fast ehrfürchtig in Richtung französische Hauptstadt, wo es Trainer Luis Enrique in den vergangenen drei Jahren geschafft hat, einen möglichen Henkelpott-Titelverteidiger zu formen. „Von den Besten lernen“ lautet das Motto, mit dem der deutsche Rekordmeister nächstes Jahr zum erneuten Angriff auf die Champions League bläst.
„Es geht weiter. Es kommt wieder ein Moment, es ist wieder eine große Motivation. Wir werden es wieder versuchen“, kündigte Chefcoach Vincent Kompany an. Mittelfeldchef Joshua Kimmich ging sogar noch einen Schritt weiter: „Ich habe das Gefühl, dass wir mit dieser Mannschaft die Champions League noch gewinnen können. In der nächsten Saison greifen wir wieder an!“
An der Säbener Straße weiß man spätestens seit dem Triple-Jahr 2013 unter Jupp Heynckes, dass der Triumph in der Königsklasse ein Prozess ist, zu dem auch bittere Rückschläge wie das verlorene Finale dahoam gehören. Oder um es mit den Worten von Sportvorstand Max Eberl zu formulieren: „Ich habe immer gesagt, so einen großen Titel zu holen, das ist ein Stück weit eine Reise. Wir haben da letztes Jahr was gelernt, wir müssen dieses Jahr was daraus lernen.“
Die zurückliegende Spielzeit auf internationalem Parkett hat gezeigt, dass die Bayern in der Spitze mit den europäischen Top-Clubs locker mithalten können – in der Breite wird das jedoch schwierig. Kompany konnte von der Bank kaum nachlegen, obwohl mit Serge Gnabry lediglich ein Spieler gefehlt hatte. Als Eberl gefragt wurde, ob er aus dem Halbfinal-Aus Lehren für den Transfersommer ziehen könne, meinte der Sportchef kurz und knapp: „Nein. Aber wir wissen, was wir tun wollen.“ Dann drücken nächstes Jahr vielleicht die Pariser dem FC Bayern die Daumen im Champions-League-Finale.M. BONKE, H. RAIF, P. KESSLER, V. TSCHIRPKE