Seitenstechen statt Zumba-Feuer

von Redaktion

Ich habe mich ins Fitnessstudio gewagt. Nicht an die Geräte. Eintöniges Heben, Drücken oder Pressen in Begleitung von animalischen Urschreien muskelbepackter Halbstarker beim Krafttraining – nicht mein Fall. Und für einen hochpreisigen Ladys-Wohlfühl-Tempel war ich zu geizig. Küchenpsychologisch betrachtet, glaube ich, dass ich die günstige 24-Stunden-Bude bei mir ums Eck ganz gezielt ausgesucht habe: Sollte ich, im Fall der Fälle, also rein hypothetisch betrachtet, vielleicht doch nicht so regelmäßig hingehen wie fest vorgenommen, kann ich den Monatsbeitrag leichter verschmerzen. Es kann ja auch mal was dazwischenkommen.

Beim Blick auf den Kursplan stand schnell fest: Mein sportliches Debüt sollte im Tanzen liegen. Genauer gesagt: Zumba hatte mein Interesse geweckt. Beschwingtes Hüftenkreisen zu feurigen Latino-Rhythmen, da stählt sich der Körper doch ganz von allein. Dachte ich. Dabei hätte ich ahnen können, dass mir meine ausgeprägte Koordinationsschwäche einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Ich war ungefähr sechs Jahre alt, als ich wegen Unbegabtheit aus dem Ballett geworfen wurde. Ich hatte bei einem großen Auftritt der Ballettschüler auf der Bühne die Orientierung verloren und war als Blume unter die Libellen getänzelt. Die ganze Choreografie war im Eimer. Die Lehrerin tobte. Geschah ihr recht. Ich fand den Spiralblumen-Haarreif eh dämlich.

Der Zumba-Kurs, das muss ich zu meiner Verteidigung sagen, war für Fortgeschrittene. Und so kam es, dass gefühlt 75 Frauen im Gleichschritt eine Formation tanzten, während eine Handvoll Anfänger (darunter zwei Muskel-Männer, die wahrscheinlich wegen der 75 Frauen da waren, und ich) unkoordiniert durch die Gegend kreiselten. Angestrengt tapste ich hinterher, immer etwas zu spät, gegen den Takt, gegen den Strom. Statt feurigem Hüftschwung brannte das Seitenstechen. Als dann noch Drehungen, Sprünge und Seitenwechsel dazukamen, war ich vollkommen verloren. Ich muss wohl falsch gehüpft sein. Jedenfalls rempelte ich zum krönenden Abschluss noch meine Nebenfrau an, die genervt die Augen verdrehte. Da warf ich das Handtuch – und ging duschen.

Seither war ich nicht mehr da. Es ist was dazwischengekommen. Unmut.

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