Der erste Führende: Paul Magnier. © Troshev/EPA
Burgas – Auf dem Weg ins Ziel von Burgas passierte doch noch das, was manch ein Experte bei diesem Auftakt des 109. Giro d`Italia schon weit früher erwartet hatte: 650 Meter vor dem Zielstrich kam es zu einem Massensturz. Profiteur Nummer eins war der Franzose Paul Magnier. Der Quick-Step-Profi setzte sich im Sprint jener zehn Fahrer durch, die dem Crash entgangen waren und schnappte sich als Erster das Rosa Trikot. Auch gegen Pascal Ackermann, der sich mit dem siebten Platz zufrieden geben musste.
Der hoch eingeschätzte Dylan Groenewegen gehörte zu den Fahrern, die Pech hatten. Der Sprintstar der Rose Rockets, der beim Giro dem noch jungen Rennstall den ersten Etappensieg bescheren soll, rollte mit schmerzendem Handgelenk unter den Geschlagenen ins Ziel.
Auch Ex-Profi Jens Voigt, der auch den Giro wieder als Eurosport-Experte begleitet, hatte schmerzhafte Zwischenfälle für die Auftakttage in Bulgarien mit Blick auf die Windsituation am Schwarzen Meer schon angekündigt. Weshalb der 54-Jährige auch erst einmal mit zurückhaltenden Favoriten rechnete. Wobei, was heißt schon Favoriten. Bei dieser Italien-Rundfahrt gibt es auch für Voigt nur einen: „Jonas Vingegaard, Jonas Vingegaard und Jonas Vingegeaard.“
Der Däne hielt sich am Freitag, geschützt von seinem Team, aus allen Problemzonen der Etappe heraus. Das wird auch noch einige Tage so bleiben, da ist sich auch Voigt sicher. Genauer gesagt: „Bis zur siebten Etappe nach Blockhaus. Da wird er das Trikot übernehmen und nicht mehr abgeben“, so Voigts Prognose. „Mindestens fünf Minuten“, werde der Visma-Profi am Ende zwischen sich und seine schärfsten Rivalen gelegt haben.
Zu denen durchaus auch ein Fahrer des Raublinger Red-Bull-Bora-hansgrohe-Rennstalls gehören könnte. Der Experte rechnet allerdings nicht mit Ex-Champion Jai Hindley. Voigt glaubt vielmehr an den endgültigen Durchbruch des Italieners bei der Rundfahrt durch sein Heimatland. „Er ist gerade 22 und hat aber schon einige Male sein Potenzial angedeutet“, sagte Voigt, „ich erwarte ihn ganz weit vorne.“ Podium? „Warum nicht?“
Zumal Pellizzari ein starkes Team um sich weiß. Mit Routiniers wie Hindley oder dem Russen Aleks Vlasov oder auch unermüdlichen Helfern wie Nico Denz. „Wenn Red Bull das will, dann können sie auf jeden Fall um den Sieg in der Mannschaftswertung mitfahren“, ist sich Voigt sicher. Sein Gedanke: Visma hat zwar mit Vingegaard den stärksten Fahrer. Doch der niederländische Rennstall wird dem Gesamtsieg des Chefs vieles unterordnen – womit die Helfer erwartbar viel Zeit verlieren werden.
Dass der Giro vom Starfaktor her nicht ganz an die vergangenen Auflagen heranreicht, da ist Jens Voigt gespalten. „Es ist einerseits schade“, sagte er, „andererseits bietet es auch die Chance für neue Fahrer, sich ganz vorne zu zeigen.“ Fahrer wie Giulio Pellizzari eben.
Und eine der Fragen wird sein: Wie wirkt sich etwa Vingegaards Mitwirken auf die kommende Tour de France aus. Zumindest in der ersten Hälfte der Frankreich-Rundfahrt könnten die zusätzlichen Rennkilometer Vingegaard sogar durchaus zugute kommen. „Denn die Fahrer, die jetzt pausieren, kommen normalerweise langsamer in Tritt. Das könnte seine Chance sein, schnell Zeit gut zu machen“, sagte Voigt.
Florian Lipowitz und Remco Evenepoel werden da etwas dagegen haben. Die Red Bull-Doppelspitze konzentriert sich bekanntlich voll auf die Tour de France.RP