Volltreffer: Daniel Dubois setzte sich durch. © Thompson/dpa
Manchester – Das rechte Auge war zugeschwollen, das Blut rann Fabio Wardley aus dem Cut am Nasenbein über das ganze Gesicht. Und weil Daniel Dubois immer und immer wieder auf seinen britischen Landsmann einschlug, musste der Ringrichter das wilde Box-Spektakel letztlich abbrechen. Trotz früher Niederschläge hatte sich Dubois durchgesetzt und war in einer mitreißenden Schlägerei auf den WM-Thron zurückgekehrt.
Da staunte auch Agit Kabayel, Deutschlands Hoffnungsträger im Schwergewicht. „Es war ein harter Kampf. Das Publikum hat einen schönen Kampf gesehen. Unglaublich“, sagte er dem Ring Magazine. Der Bochumer, selbst Anwärter auf einen Weltmeisterschafts-Fight, war am Ring in Manchester Zeuge davon geworden, mit welcher Wucht Dubois Wardley durch technischen K.o. in der elften Runde bezwang und ihm den WM-Gürtel des Verbandes WBO entriss.
Damit meldete sich Dubois (28) zehn Monate nach seiner krachenden Niederlage gegen den ukrainischen Schwergewichts-Dominator Alexander Usyk spektakulär auf der Box-Bühne zurück. „Es war ein Krieg. Wir haben brenzlige Momente durchgestanden. Danke dafür, Fabio – danke“, sagte Dubois bei DAZN mit großem Respekt für seinen Gegner: „Ich weiß, dass ich Herz habe – jede Menge Herz. Im Ring bin ich ein Krieger.“
Für Dubois war es der 23. Sieg im 26. Profikampf, 22 Siege davon feierte er durch K.o. Dieser allerdings war ein extrem hart erkämpfter, es hätte leicht anders ausgehen können: Dubois war bereits nach wenigen Sekunden zu Boden gegangen, auch in der dritten Runde musste er eine schwere Rechte einstecken und sich wieder aufrappeln. Doch er kämpfte sich zurück, Wardley geriet unter Druck und war bald blutüberströmt. Doch die Konsequenz ließ auf sich warten: Erst spät brach der Kampfrichter ab.
Im Juli des Vorjahres hatte er im Wembley-Stadion seinen IBF-Titel an den Ukrainer Usyk verloren. Für Wardley, der seine erste Titelverteidigung bestritt, endete der bis dahin größte Kampf seiner Karriere mit der ersten Niederlage. Eine Neuauflage ist möglich, da eine Rückkampf-Klausel im Vertrag verankert ist. Usyk hält die drei weiteren bedeutenden Titel im Schwergewichtsboxen.
Dubois könnte perspektivisch auch ein potenzieller WM-Gegner für Kabayel werden, wobei der 33-Jährige als Pflichtherausforderer des WBC zunächst Usyk im Blick hat. „Warum nicht? Ich gegen Daniel. Für die deutschen Fans ist das ein großer Kampf. Aber erstmal bin ich der Nummer-eins-Herausforderer der WBC“, sagte Kabayel.
Und in dieser Rolle schaut er nun einigermaßen gespannt auf Usyks Auftritt am 23. Mai, wenn der an den Pyramiden von Gizeh seinen WBC-Titel gegen den niederländischen Kickbox-Star Rico Verhoeven verteidigt. Erst danach, so Kabayel, „werden wir sehen, was in der Zukunft ist“.SID