Nie aufgegeben: Omar Traore und Marvin Pieringer (re.) können mit Heidenheim für ein Fußballwunder sorgen.
Die Lage bleibt prekär: Jackson Irvine vom FC St. Pauli nach Niederlage in Leipzig. © Hessland-Wissel, Bader/Imago
Ein Punkt wäre drin gewesen: Lovro Majer und Pavao Pervan. © Gora/Imago
Wolfsburg – Frank Schmidt huschte nach dem überlebenswichtigen Sieg ein kurzes Lächeln über das Gesicht, dann schwor der Trainer des 1. FC Heidenheim seine Mannschaft auf den Showdown um den Klassenerhalt ein. Noch ist nichts gewonnen, doch der schon abgeschriebene Außenseiter von der Ostalb hofft mehr denn je auf den Verbleib in der Bundesliga. Mit dem hart erkämpften 3:1 (1:1)-Sieg beim 1. FC Köln sorgten die Heidenheimer für ein Saisonfinale, das an Spannung kaum zu überbieten ist.
Erstmals seit dem 18. Spieltag ist der FCH nicht mehr Schlusslicht, durch den Dreier in der Domstadt gab die Schmidt-Elf die Rote Laterne an den FC St. Pauli ab. Mit den Hamburgern und dem VfL Wolfsburg liegt Heidenheim nach Punkten nun gleichauf. Mit einem Sieg gegen den FSV Mainz 05 am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist der Sprung in die Relegation noch möglich – abhängig vom Ausgang des Duells zwischen St. Pauli und Wolfsburg.
„Das ist wirklich unglaublich. Vor Ostern hat keiner mehr einen Cent auf uns gewettet“, sagte Geschäftsführer Holger Sanwald bei DAZN: „Intern haben wir immer an uns geglaubt, dass wir es schaffen können.“
Doppelpacker Jan Schöppner (8./72.) und ein Eigentor des Kölner Verteidigers Kristoffer Lund (28.) lassen den FCH weiter auf die vierte Bundesliga-Saison hoffen. Köln war trotz eines über weite Strecken dominanten Auftritts zu ineffizient. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Marius Bülter war zu wenig (10.). „Wir sind von den Ergebnissen der anderen abhängig, aber das sind wir schon länger. Wir brauchen Glück, es braucht immer noch viel“, erklärte Sanwald.
Die erneuten Patzer von St. Pauli und Wolfsburg hatten dem FCH weiterhin die Möglichkeit zur Rettung gelassen. Und während sich Wölfe-Trainer sich vor dem direkten Duell noch in Zurückhaltung übte, wetzten die Profis aus Hamburg schon die Messer. „Wir können dieses fucking Spiel gewinnen“, erklärte Jackson Irvine vor dem Finale um die Relegation. Beim Showdown am Millerntor, fuhr der Kapitän fort, stehe „alles auf dem Spiel“, sein Mitspieler Louis Oppie sprach von einer „Schlacht“.
Während die Kiezkicker mit dem Rücken zur Wand stehen und darauf bedacht waren, sich früh für das Endspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) zu emotionalisieren, schlug Hecking ruhigere Töne an. Das direkte Duell am letzten Bundesliga-Spieltag sei für ihn „noch sehr weit weg“, sagte er nach der knappen 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Bayern München. Immerhin räumte der Wolfsburger Trainer letztlich ein, sein Team müsse „auf Pauli auf jeden Fall auf Sieg spielen“.
Denn die Situation bleibt brisant: Der VfL liegt punktgleich mit Heidenheim und St. Pauli gerade noch auf dem Relegationsrang. Nur drei Tore trennen die drei Teams. Die Hamburger (aktuell Letzter) sind somit zum Siegen verdammt. „Es ist ein Finale. Wir müssen uns wie auf ein Pokalfinale vorbereiten“, sagte Irvine.
Heidenheim, das sich nach Aussage des Doppeltorschützen Schöppner „im Flow“ befindet, könnte sich theoretisch sogar aus eigener Kraft noch in die Relegation retten. Sollte Wolfsburg gewinnen, müsste Heidenheim mit vier Toren Abstand mehr siegen als der VfL. Klingt fast unmöglich – aber das sagte man auch, als das Team von Frank Schmidt weit abgeschlagen war.SID/DPA