Engagiert an der Seitenlinie: FCB-Trainer Vincent Kompany. © Hirnschal/Imago
Wolfsburg – Im Schongang durch die letzten Bundesliga-Meter? Nicht mit Vincent Kompany und seinen Bayern! Das 1:0 (0:0) in Wolfsburg war zwar ein hartes Stück Arbeit, aber „Wettbewerbsverzerrung“ hätte sich der belgische Fußballlehrer selbst im Falle einer Niederlage nicht nachsagen lassen müssen. Dafür war die Anfangsformation zu namhaft ausgewählt: In der Offensive waren mit Harry Kane, Michael Olise und Jamal Musiala drei von vier Paris-Startern von Beginn an auf dem Platz, ebenso wie Mittelfeldchef Joshua Kimmich und Rechtsverteidiger Josip Stanisic.
„Es sind ja keine englischen Wochen mehr und da gibt es nicht so viel zu rotieren“, sagte Tom Bischof, der nach seinem überstandenen Muskelfaserriss erstmals wieder auf dem Rasen stand: „Wenn du Jo Kimmich fragst, ob er spielen kann, sagt der ganz klar: Ich will jedes Spiel machen! Und das ist auch gut so, das passt zum FC Bayern.“ Ähnlich motiviert wie Kimmich auf dem Rasen – mit 13,09 Kilometern hatte er die beste Laufleistung aller Münchner – war auch Kompany in der Coachingzone. „Das hat uns die ganze Saison ausgezeichnet, wie er uns gepusht hat – auch von seiner Ausstrahlung her“, erklärte Bischof. Das bayerische Star-Ensemble will auch im Hinblick auf das DFB-Pokalfinale am 23. Mai in Berlin gegen den VfB Stuttgart im Rhythmus bleiben.
Trotzdem hat Kompany seiner Mannschaft bis Mittwoch freigegeben, wie Sportdirektor Christoph Freund nach dem Auswärtssieg bei den Wölfen bestätigte: „Die Wochen waren jetzt extrem intensiv auch vom Kopf her. Sie mussten alle zwei, drei Tage reisen und jetzt sollen sie mal etwas herunterfahren. Dann haben wir am Samstag unser Meisterspiel zu Hause, das wir unbedingt gewinnen wollen – und dann voller Fokus auf Berlin.“
Bei seinem ersten Auftritt nach dem bitteren Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris Saint-Germain tat sich der deutsche Rekordmeister vor allem in der ersten Hälfte schwer. „Wir wussten, dass es nicht leicht wird. Am Mittwoch war es ein sehr bitterer Abend für uns – und dann kommen wir hierher und Wolfsburg kämpft ums Überleben“, beschrieb Sportdirektor Freund die Ausgangslage: „Am Ende sind wir echt stolz, dass wir gewonnen haben.“
Einem genialen Moment von Michael Olise war es zu verdanken, dass die Münchner diese Bundesliga-Saison auswärts weiter ungeschlagen sind: In der 56. Minute gelang der Ball zum Franzosen, der auf dem rechten Flügel in seiner unnachahmlichen Art nach innen zog und die Kugel in Arjen-Robben-Gedächtnis-Manier ins Kreuzeck zirkelte. „Es war ein Geniestreich von Michael. Er hatte wieder viel Spielfreude und ein überragendes Tor geschossen“, lobte Freund.
Der Treffer fiel in den Augen von Wölfe-Chefcoach Dieter Hecking zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: „Wir hatten das Momentum heute, wo wir die Partie auf unsere Seite ziehen können. In dieser Phase haben wir leider das Gegentor bekommen.“MANUEL BONKE