Allrounder: Samuel Althaus kann Sechser und Stürmer spielen. © IMAGO
Können die Löwen ihn halten? Toptorjäger Sigurd Haugen – gegen Ingolstadt glänzte er mit einem Assist. © IMAGO
München – Abschiedstränen und Platz acht in der Abschlusstabelle. Das Heimfinale gegen Ingolstadt (1:2) stand noch einmal im Zeichen eines Kaders, der die ehrgeizigen Ziele des TSV 1860 verfehlt hat. Wer am Samstag allerdings genau hinschaute, konnte bereits einen Blick in die Zukunft werfen. Denn der personelle Umbruch hat längst begonnen. Und er folgt einer klaren Idee: jünger, hungriger – und günstiger.
Ein kleiner Mutmacher war dabei das Startelfdebüt von U 21-Kapitän Xaver Kiefersauer. Ins Bild passen auch zwei weitere Personalien, die die Löwen rund um das Ingolstadt-Spiel vermeldeten: Nicht nur Kiefersauer verlängerte seinen Vertrag, sondern auch Damjan Dordan und Torhütertalent Paul Bachmann. Spieler also, die entwicklungsfähig sind, den Verein kennen – und die neue Richtung verkörpern.
Denn nach Informationen unserer Zeitung müssen die Löwen ihren Etat deutlich herunterfahren: Statt wie zuletzt 6,3 Millionen Euro stehen für die neue Saison nur noch 4,5 Millionen zur Verfügung. Große Namen und teure Kaderwetten wird es an der Grünwalder Straße künftig seltener geben.
Die wirtschaftliche Realität erzwingt einen Strategiewechsel – sportlich könnte der sogar sinnvoll sein. Mehr Tempo, mehr Dynamik, mehr Entwicklungspotenzial: Nach diesen Kriterien suchen Geschäftsführer Manfred Paula und Trainer Markus Kauczinski Ergänzungen auf dem Transfermarkt.
Vor allem schnelle Schienenspieler dürften weit oben auf dem Wunschzettel stehen. Der bisherige Kader war weitgehend auf ein 3-5-2 zugeschnitten, zuletzt experimentierte Kauczinski allerdings häufiger mit einer Viererkette. Dafür braucht es andere Spielertypen: laufstarke Flügelspieler, flexible Außenverteidiger, insgesamt mehr Zug nach vorne.
Auffällig ist auch die neue Altersstruktur: Viele Talente Anfang 20, dazu einige Führungsspieler über 30 – doch das klassische Fußballeralter zwischen 24 und 30 ist dünn besetzt.
„Veränderungen brauchen Raum. Es wird etwas Neues entstehen“, sagt Kauczinski über den bevorstehenden Umbruch. Trotz aller Sparzwänge verbreitet der Trainer Optimismus: „Wir sind nach wie vor eine gute Adresse in der 3. Liga. Zum Stamm werden wir uns punktuell verstärken. Ich bin überzeugt, dass wir gute Spieler für uns gewinnen können.“
Das Gerüst steht bereits. Stand jetzt umfasst der Kader für 2026/27 insgesamt 22 Spieler. Mit Tim Danhof wird zeitnah eine weitere Vertragsverlängerung erwartet. Trotz der Abgänge einiger Topverdiener wie Jesper Verlaat sind fast alle Positionen doppelt besetzt. Eine Achse ist klar erkennbar: Thomas Dähne im Tor, Max Reinthaler als neuer Abwehrchef, Tunay Deniz im Zentrum, Kevin Volland als Identifikationsfigur – und vorne hoffentlich Sigurd Haugen.
Genau dort liegt allerdings das größte Fragezeichen des Sommers. Der Norweger erzielte bislang 16 Saisontore, ist auf dem Papier noch bis 2027 gebunden, hat sich mit seiner starken Saison aber längst auf die Zettel ambitionierter Zweitligisten gespielt (Dresden, Bochum). Klar scheint: Bleiben dürfte Haugen wohl nur dann, wenn er bei 1860 eine realistische Aufstiegsperspektive erkennt. Und genau daran bestehen trotz des Neuaufbaus berechtigte Zweifel.
Hinter den Kulissen laufen die Planungen weiter. Geschäftsführer Paula formuliert es gewohnt zurückhaltend: „Wir loten die Möglichkeiten aus. Sobald wir irgendwo eine vertragliche Einigung erzielt haben, werden wir umgehend informieren.“ Ein Großangriff auf die 2. Liga ist aktuell (noch) nicht zu erkennen. Vielleicht liegt genau darin aber auch eine Chance. Mehr Jugend. Mehr Hunger. Und diesmal vielleicht auch ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis?ULI KELLNER