Vertikalpass Kiefersauer, Haugen in die Schnittstelle, kaltschnäuziger Lupfer von Althaus. Der Führungstreffer der Löwen gegen Ingolstadt war einer der wenigen Lichtblicke dieses trüben Liga-Endspurts – und gleichzeitig ein Angriff mit Symbolkraft.
Denn diese Kombination erzählte bereits viel darüber, wie sich der TSV 1860 seine Zukunft vorstellt. Schnell. Direkt. Geradlinig. Geschäftsführer Manfred Paula hat genau diesen Fußball angekündigt: Jeder Ball soll möglichst zügig nach vorne. Vielsagend war dabei auch, wer an diesem Treffer beteiligt war: zwei 20-Jährige und einer der verbliebenen Unterschiedsspieler.
Ein Bilderbuch-Angriff – und in den Vorstellungen von Paula und Trainer Markus Kauczinski die Blaupause für eine bessere Löwen-Zukunft. Auf dem Papier klingt dieser Plan vernünftig. Wenn man schon über Jahre hinweg Eigengewächse entwickelt, sollte man ihnen irgendwann auch vertrauen. Dazu einige erfahrene Extrakönner. Der Gedanke dahinter: Klasse statt Masse, Löwen-DNA statt Söldnertum.
Allein: Jugendkonzepte tragen in der 3. Liga selten sofort. Die Liga ist körperlich, hektisch und gnadenlos ergebnisorientiert. Talent allein reicht dort nicht. Und auch hinter den erfahrenen Spielern stehen Fragezeichen. Wie schnell findet Tunay Deniz nach seinem Kreuzbandriss zur alten Form? Bleibt Sigurd Haugen? Kevin Volland und Florian Niederlechner kennen jetzt zwar die Liga, werden mit Mitte 30 aber nicht schneller.
Gewisse Hoffnungen ruhen auf dem Transfermarkt. Doch bei einem um fast zwei Millionen Euro reduzierten Etat sind allzu große Sprünge kaum möglich. Sonst hätte man sich vermutlich auch nicht von Spielern wie Verlaat, Schifferl und Jacobsen getrennt. Unter dem Strich versuchen Paula und Kauczinski das Beste aus den aktuellen Möglichkeiten zu machen. Mit einem Basisetat von 4,5 Mio. ist 1860 künftig ein Leichtgewicht.
Den Fans wären hungrige Highspeed-Löwen zu wünschen. Schließlich sind sie es, die erneut in Vorleistung gehen müssen. Die Dauerkartenpreise wurden mal wieder erhöht. Was die Erwartungshaltung angeht, sollten Paula und Kauczinski aber wissen: Die ist in Giesing immer hoch.