„Immer auf Augenhöhe!“

von Redaktion

Bayerns Dallmann vor dem Pokalfinale über die Rivalität mit Wolfsburg

Meisterdusche: Linda Dallmann überrascht Teamkollegin Klara Bühl. © Wagner/Imago

Linda Dallmann (re.) im Duell mit Alexandra Popp – die vergangegen vier Duelle gegen Wolfsburg gewann die Bayern-Frauen mit 4:1, 3:1, 3:1 und 4:2 © Huebner/Imago

Köln/München – Die Frauen des FC Bayern greifen nach dem Double: Nach dem Gewinn der Meisterschaft steht am Donnerstag das DFB-Pokal-Finale gegen den VfL Wolfsburg an (16 Uhr) in Köln an. Offensivspielerin Linda Dallmann spricht im Interview über die Rivalität mit den Wölfinnen, den Abschied von Alex Popp und die Chance auf eine perfekte Saison.

Linda Dallmann, die Meisterschaft ist gewonnen, im CL-Halbfinale gegen den FC Barcelona haben sich die Bayern-Frauen teuer verkauft. Ist die Saison schon ein Erfolg, oder muss dafür noch das DFB-Pokal-Finale gewonnen werden?

Das ist in jedem Fall unser großes Ziel. Titel sind der Anspruch, den wir an uns haben. Wenn wir das Double verteidigen, können wir wieder sehr stolz auf die Saison sein. Wir haben ja auch wirklich eine sehr gute Saison gespielt, obwohl wir im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona nach zwei guten Auftritten ausgeschieden sind.

4:1, 3:1 und 3:1 in der Bundesliga, dazu ein 4:2 im Supercup – die letzten Duelle mit dem VfL Wolfsburg gewannen sie recht klar. Ist der FCB Favorit?

Spiele gegen Wolfsburg sind immer auf Augenhöhe. Für den VfL ist das Pokalfinale ein besonderes Spiel. Viele Spielerinnen gehen, auch Poppi (Alexandra Popp, Anm.d.Red.). Sie werden – wie immer gegen uns – alles reinwerfen. Uns wird einiges erwarten, aber darauf sind wir eingestellt. Für den Frauenfußball und die Fans ist es schön, wenn es ein spannendes Spiel wird.

Alex Popp hat in Wolfsburg ein Ära geprägt, das Finale wird ihr letztes großes Spiel für den VfL, bevor sie zu Borussia Dortmund wechselt. Könnte dies für zusätzliche Motivation bei Wolfsburg sorgen?

Eine Spielerin wie Poppi gibt in jedem Spiel alles. Ich glaube, sie hatte in ihrer Karriere kaum ein Spiel, in dem sie mal nicht an ihre Leistungsgrenze gegangen ist. Aber das wissen wir. Es ist das Pokalfinale, da braucht niemand extra Motivation. Wir werden sicher genauso motiviert sein wie Wolfsburg.

Als Sie 2019 aus Essen nach München gewechselt sind, war Wolfsburg die klare Nummer eins. Mittlerweile steht der FC Bayern an der Spitze. Wie haben Sie die Entwicklung der Rivalität erlebt?

Als ich gekommen bin, war es das klare Ziel, Wolfsburg zu überholen und an die Spitze des deutschen Frauenfußballs zu kommen. Das schien damals noch ein bisschen unrealistisch – und wir hatten ja auch noch ein paar Jahre das Nachsehen. In den letzten Jahren haben wir dann dominiert. Aber Wolfsburg hat über viele Jahre den deutschen Frauenfußball geprägt und international hervorragend vertreten. Das darf man nicht vergessen.

Was wird am Donnerstag entscheidend sein?

Natürlich immer die Tagesform ein Stück weit. Gerade in Spielen wie gegen Barcelona oder jetzt gegen Wolfsburg, da muss alles passen. Manchmal gibt es solche Tage, an denen wir nicht an unsere Leistungsgrenze kommen, das kann man auch nicht immer beeinflussen. Und dann geht so ein Spiel ganz schnell in die falsche Richtung. Deshalb müssen wir sehen, dass wir eine Bestleistung abrufen.

In der Liga und im Pokal sind die Bayern-Frauen in dieser Saison noch unbesiegt. Wie wichtig wäre Ihnen eine perfekte Saison?

Man hat es vergangenen Mittwoch gemerkt, als wir in der Bundesliga gegen Hoffenheim lange 0:1 zurücklagen. Wir wollten unbedingt noch das Tor zum Ausgleich machen, was uns dann ja auch gelungen ist. Natürlich würde es sich sehr gut anhören, wenn wir bis auf die beiden Spiele in Barcelona ungeschlagen bleiben würden. Das ist uns wichtig, das wollen wir schaffen.

Sie haben die Spiele gegen Barcelona erwähnt. Was fehlt noch, um die Champions League zu gewinnen?

Man sagt immer, die Mannschaft mit der besten Defensive gewinnt die Champions League. Da ist schon etwas dran. Wir sind eine Mannschaft, die in den meisten Spielen sehr viel Ballbesitz hat. Wir werden gar nicht so oft defensiv auf diesem Niveau wie gegen Barcelona gefordert. Da sind wir manchmal schon ein bisschen an unsere Grenzen gestoßen, was keine Kritik an unserer Abwehr ist. Da sind wir als ganzes Konstrukt gefordert, wir Offensivspieler standen teilweise auch tief in der Kette. Das ist eine für uns ungewohnte Art und Weise zu verteidigen, aber genau darauf wird es ankommen, in solchen Spielen defensiv einfach abzuliefern. Das haben wir in der Qualität noch nicht geschafft.

Vor ziemlich genau einem Jahr gab es Gerüchte, dass Sie den FC Bayern verlassen könnten. Sie sind geblieben und nun wieder absolute Stammspielerin. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Saison bisher?

Ich bin froh, dass es diese Wendung genommen hat und dass ich in München geblieben bin. Unter dem neuen Trainer wurden die Karten neu gemischt. Ich habe das Glück, dass José Barcala Spielertypen wie mir viele Freiheiten und viel Spielzeit gibt. Je mehr man spielt, umso besser gelingen die ganzen Abläufe – auch vom Kopf her. Ich fühle mich sehr wohl, es macht gerade sehr viel Spaß. Das habe ich nicht nur José, sondern dem ganzen Trainerteam zu verdanken.

INTERVIEW: CHRISTIAN STÜWE

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