Mann der klaren Worte: Kevin Volland. © Wagner/Imago
München – Egal ob in Monaco, bei der deutschen Nationalmannschaft oder mit Union Berlin im Bernabéu in der Champions League – Kevin Volland hat in den vergangenen Jahren viel gesehen und erlebt im Weltfußball. Seine große Liebe, 1860 München, hat sich in diesen Jahren einen unfreiwilligen Status erarbeitet: Drittliga-Dino. Auch mit dem im Sommer 2025 zurückgekehrten Volland konnte 1860 nicht aus dem Teufelskreis ausbrechen. Der achte Versuch, in die Zweite Bundesliga zurückzukehren, misslang deutlich.
Ein Umstand, der Volland wehtut. Nach der 1:2-Pleite gegen Ingolstadt gestand der 33-Jährige im „Hacker-Pschorr-Fantalk“: „Die Erwartungshaltung war sehr hoch vor der Saison, die haben wir nicht so erfüllt.“ Der Offensivmotor der Löwen (13 Scorerpunkte) sprach von einer „Achterbahnsaison“. Zwar legten die Löwen die ein oder andere Siegesserie hin, doch genauso oft folgten daraufhin mehrere Wochen mit sehr mauer Punktausbeute.
Bestand die Chance für 1860, ins Aufstiegsrennen einzugreifen, versagten die Nerven. Sieht auch Volland so. Seine bittere, aber ehrliche Analyse: „Immer wenn wir oben dran waren, haben wir – auf gut Deutsch gesagt – verkackt. Daraus müssen wir unsere Schlüsse ziehen. Da müssen wir schauen, dass wir in diesen Spielen performen und nicht wegknicken.“
Das Erschreckende: Mit Druck schien die Mannschaft in dieser Saison nicht umgehen zu können – ohne allerdings auch nicht. Seitdem sich 1860 mit der 0:3-Pleite in Cottbus Anfang April endgültig aus dem Abstiegskampf verabschiedete, gab es nur noch einen Sieg für die Blauen.
Vieles spricht dafür, dass die aktuelle Mannschaft der Sechzger auch im Kopf nicht bereit dafür war, ganz oben anzuklopfen. Daraus macht auch Volland kein Hehl: „Ich würde mir wünschen, dass wir nächstes Jahr ein paar mehr Soldaten in der Mannschaft haben, die auf dem Platz marschieren und sich an Pläne vom Trainer halten.“ Nicht nur mit den Ergebnissen, sondern auch mit der Spielweise ist der Routinier alles andere als zufrieden: „Wir möchten nächstes Jahr erfrischenderen Fußball spielen. Diese Saison haben wir oft sehr passiv und abwartend gespielt.“
Wird kommende Saison alles besser? Das Gesicht der Löwen wird sich auf alle Fälle wieder verändern, unter anderem müssen Kapitän Jesper Verlaat und Vize Thore Jacobsen den Club verlassen, der Etat wird um cirka zwei Millionen Euro gekürzt. 1860 will sein Team verjüngen, den Kader verkleinern. Ob finanzielle Zwänge oder ein nachhaltiges Konzept für die Zukunft dafür verantwortlich sind, sei dahingestellt.
Geschäftsführer Manfred Paula muss kreativ werden, um zu verhindern, dass Sechzig von Beginn an gegen den Abstieg kämpft. Eine erste Finanzspritze ist gefunden: die eigenen Fans. Wie im Prinzip jedes Jahr wurden die Preise der Dauerkarten angehoben, der Ausflug ins Grünwalder Stadion schmerzt dem Geldbeutel jede Saison aufs Neue mehr.
Eine junge Löwenmannschaft soll nun Euphorie in Giesing entfachen. Mit welchem Ziel 1860 in die neue Saison gehen wird und was die langfristige Strategie ohne frische Gelder von Hasan Ismaik sein soll, steht in den Sternen. Eine tz-Anfrage für ein Interview mit Paula blieb in dieser Woche vom Verein unbeantwortet. Licht ins Dunkle werden die kommenden Monate bringen. Spätestens im August, wenn es heißt: Ausbruch aus dem Teufelskreis – Klappe die neunte.MARCO BLANCO UCLES