Bewährtes Team: Auch Sven Ulreich (2. v. l.) bleibt.
Jetzt auch offiziell: Neuer macht weiter. © FCB
„Der beste Keeper“, sagt Kompany. © Mirville/IMAGO
Doch wieder ein Team? Nagelsmann und Neuer bei der EURO 2024. Womöglich doch kein Abschiedsbild. © Fassbender/AFP
Wär‘s nicht nochmal so schön? Neuer beim WM-Triumph gegen Argentiniens Higuain. © imago
München – Vincent Kompany hat in dieser Saison schon bei 38 Pressekonferenzen im „Stüberl“ an der Säbener Straße Rede und Antwort gestanden, aber die 39. wurde am Freitag zu einer echten Zwickmühle. Denn auch wenn sich der Trainer des FC Bayern vor dem abschließenden Bundesliga-Saisonspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den 1. FC Köln explizit nicht in die WM-Kaderplanung von Julian Nagelsmann einmischen wollte, sagte er mit Blick auf den Bundestrainer: „Er hat aktuell diesen vollen Druck.“ Bewusst schob er flugs hinterher: „Ich werde ihm die Ruhe geben, seinen Kader zu bauen, ohne dass ich da eine Meinung abgebe.“ Obwohl er diese natürlich hat.
Konkret war es – natürlich – um den Fall Manuel Neuer gegangen, wie seit Tagen beim FC Bayern. Und weil eben aus allen Richtungen nachgebohrt wurde, gab der Belgier indirekt doch Einblicke in seine Sichtweise. Die Worte „Der FC Bayern ist Deutscher Meister und wir haben den besten deutschen Torwart“ hallten aus München in die Republik, das Bild des grinsenden Kompany sprach ebenso Bände. Ob Neuer aber deshalb auch mit zur WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) muss? Das ertüftelt Nagelsmann aktuell. Wer sich umhört, kann schon lautere Stimmen vernehmen, die einen Rücktritt vom Rücktritt nicht ausschließen. Spätestens am Donnerstag bei der Kadernominierung in Frankfurt wird Klarheit herrschen.
Neuer wird dann immerhin kein Keeper sein, der vor seinem letzten Spiel mit dem FC Bayern – dem Pokalfinale gegen Stuttgart – steht. Sondern ein Torhüter, der noch ein weiteres Jahr Vertrag beim Deutschen Meister hat. Das gaben die Münchner am Freitagnachmittag auch offiziell bekannt. Nach unseren Informationen besuchte Thomas Kroth, Neuers Berater, wenige Stunden vor Bekanntgabe die Geschäftsstelle an der Säbener Straße. „Ich freue mich riesig“, sagte Neuer und begründete seine Entscheidung: „Es dreht sich immer um die Frage, ob ich meinem Niveau selbst gerecht werde und das täglich im Training zeigen kann. Für mich ist entscheidend, dass ich mich im täglichen Training an der Säbener Straße genau so zeigen kann, wie ich es von mir erwarte.“ Auch die „großen Spiele“ in Madrid oder gegen Paris bestärkten ihn.
Zurück zum Wochenende: Zum 13. Mal ist Neuer Meister, seit 2018 nimmt er die Schale als Kapitän in Empfang. Für Kompany war daher auch keine Frage, wer gegen den FC den Kasten hüten wird. „Morgen spielt Manu“, sagte der Coach und fügte mit Blick auf den Ex-Kölner Jonas Urbig an: „Er wird noch viele Gelegenheiten haben, gegen Köln zu spielen.“ In der Tat ist das Zusammenspiel zwischen Neuer und seinem designierten Nachfolger in dieser Saison so reibungslos vonstatten gegangen, wie es niemand erwartet hat. 18 Einsätze hat Urbig auf dem Konto, Eberl sprach von einer „Konstellation, die ganz besonders ist“.
Er schloss da ganz bewusst auch Sven Ulreich mit ein, der im Zuge der Neuer-Verlängerung auch gleich bis 2027 unterschrieben hat. Der Neuer-Intimus war da, als er gebraucht wurde, Urbig zeigte aber natürlich regelmäßiger sein Können. Die „klare Kommunikation unter den Torhütern“ lässt Eberl auch „gelassen“ auf die kommende Saison schauen. Und womöglich wäre sie auch bei der WM – mit Neuer als Nummer eins und Urbig als Nummer zwei – ein Erfolgsrezept? Nun ja. Kompany hat garantiert eine Meinung dazu. Aber er sagt sie leider (noch) nicht.HANNA RAIF, PHILIPP KESSLER